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Was ist ein Guru?

Und am Ende des Tunnels das Licht oder der Mythos

Patricia Kornfeld

#FEATURE #SPIRITUALITÄT


Guru. Mythen ranken sich um diesen Begriff, wie um Dornröschens Schloss. Viel wird gemunkelt, wenig ist bekannt. Viele meinen, ihm schon mal begegnet zu sein – dem Urlaubsguru, der die besten Schnäppchen fürs Reisen bereithält. Für andere hat der Name einen indischen Beigeschmack, zum Beispiel, als sie im indischen Restaurant „Guru“ in Wien zu Abend gegessen haben. Wiederum andere verehren Guru Guru, eine deutsche Band, Guru Josh, den House-Musiker oder die Werke der US-amerikanischen Künstlerin Ella Guru. Was es mit dem Begriff wirklich auf sich hat, ist den wenigsten bekannt.


Meist sind es Mutmaßungen und Gerüchte, die man sich über Gurus erzählt. Ist ein Guru allmächtig? Gottgleich? Kann er Wunder vollbringen? Oder ist es ein weißhaariger, langbärtiger und alter Mann mit Turban, dessen Vorbild wohl Absolem, die blaue Raupe aus Alice im Wunderland, sein muss?


Photo: Niels Steeman

Geistiger Lehrer und Meister


Unter einem Guru wird üblicherweise ein spiritueller Lehrer oder Meister im Hinduismus, Buddhismus oder Sikhismus verstanden, der ein göttliches Wesen verkörpert und dafür verehrt wird. Er führt seinen Schüler durch die Welt und symbolisiert für diesen einen Anker der Spiritualität. Der Begriff entstammt dem Sanskrit und bedeutet unter anderem „schwer“, „gewichtig“ bzw. „schwer durch Wissen“. Die Silbe Gu steht hierbei für die spirituelle Unwissenheit, in der sich die meisten Menschen befinden. Ru bezeichnet die Verbreitung spirituellen Wissens. Diese besitzt die Fähigkeit, jene Unwissenheit aufzulösen.


Hinduist_innen sehen Gurus oftmals als „Vertreiber der geistigen Dunkelheit“ an. In Tibet wird das Wort „Lama“ verwendet, welches einen sehr qualifizierten Lehrer bezeichnet. „Dalai Lama“ ist dabei der höchste Titel und wird dem weltlichen und geistlichen Oberhaupt der Tibeter verliehen. Derzeitiger Dalai Lama ist Tenzin Gyatso. Genauso gut gibt es natürlich auch weibliche Gurus, wie z.B. Mataji Krishna Priya, Amritanandamayi oder Gurumayi Chidvilasananda.


Photo: Frank McKenna

Umfangreiches und zeitgemäßes Wissen


Gurus sind also Personen, die Licht und Erkenntnis bringen, den Verstand lüften und neue Perspektiven bieten. Im Alltag findet das Wort ebenso für Personen Verwendung, die als Expert_in auf einem gewissen Gebiet gelten und eine leitende Position innehaben. Das Portal Urlaubsguru kam also deshalb zu seinem Namen, weil es umfangreiches Wissen auf dem Gebiet der Urlaubs- und Reiseplanung besitzt. Was weltweit unter einem Guru verstanden wird, könnte jedoch kaum unterschiedlicher nicht sein.


Photo: Vince GX

So meint der spirituelle Meister Sadghuru in einem Interview: „In der Schweiz denken sie, ein Guru sei ein Idiot. Sie denken, ein Guru sei jemand, der aus der Zeit gefallen ist und nicht hier sein sollte. (…) Sie sind dann immer ganz überrascht, wenn ich über aktuelle Themen spreche.“, wie z.B. über die aktuelle Klimakrise. Zeitgemäß zu sein, sei aber für einen Guru das oberste Gebot: „Wer als Guru nicht zeitgemäss ist, hat keine Relevanz für das Hier und Jetzt. Und wenn man für das Hier und Jetzt nicht relevant ist, hat man keine Daseinsberechtigung.“, so Saghuru.


Ein anderer Begriff aus dem Sanskrit beschreibt einen Guru auch als „spirituellen Freund“. Damit sind beispielsweise Menschen gemeint, zu denen wir eine tiefe Verbindung hegen und die uns helfen, ein besseres, positiveres Leben zu führen. Menschen, die das beste aus uns herausholen möchten, an uns glauben und uns motivieren, wenn wir es selbst am wenigsten vermögen. Die uns neue Inputs und Hoffnungen geben. Deren Ziel unser persönlicher Fortschritt ist. Personen also, die neue Erkenntnisse und Inspirationen ins eigene Leben bringen. Somit können Gurus auch losgelöst von Religion und Spiritualität existieren - der Begriff ist weit gefasst. Auch im Yoga erhalten Spiritualität und Gurus eine besondere Bedeutung, z.B. im Guru-Yoga.


Photo: Kevin Bluer

"Erleuchtung ist kein Luxus!"


Doch Gurus stehen nicht nur in gesegnetem Licht. Oftmals wird ein übles Spiel getrieben und Guru-Anhänger_innen werden ausgebeutet und teilweise auch missbraucht, wie aktuelle Presseberichte immer wieder zeigen. So werden die bereits Hilfesuchenden noch weiter erniedrigt und gepeinigt. oftmals geht es um Existenzen.


Doch damit soll die Existenz von Gurus nicht außer Frage gestellt werden. Für viele sind spirituelle Führer eine große Inspiration und Stütze. Sie bringen Erkenntnisse und zeigen neue Wege. Vor allem in beschwerlichen Zeiten können sie Perspektiven bieten und aus der Krise führen. Sofern sie nicht aus Gier und Eigennutz handeln, können Anhänger_innen von ihren Ansichten durchaus profitieren.


Laut Sadghuru gebe es auf der Erde jedoch nur ein einziges Problem: „Den Menschen. Wir können unsere Intelligenz entweder nutzen, um Probleme zu schaffen – oder um Lösungen zu finden. Erleuchtung ist deshalb kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Es ist an der Zeit, sich aufzuraffen!“

Links

Interview mit Sadghuru von Marlies Seifert I Schweizer Illustrierte online

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