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Vom Flüchtling zum Starstylisten

Idriz Biserovic - "Nicht darauf hören, was Andere sagen!"

von Nada Andjelic


Idriz Biserovic schaffte es in weniger als 20 Jahren nach seiner Ankunft in Wien und Auswanderung aus Bosnien-Herzegowina zu einem Top-Unternehmer zu mutieren. Seine Adresse besuchen Wiener Sternchen und „Grande Dames“ der Wiener Innenstadt. Doch hinter dem sonnigen Lächeln, verbirgt sich eine tiefe Geschichte, ein tiefes Bewusstsein und viel Emotion.


Es gibt Menschen, die werden immer und überall gemocht. Idriz Biserovic ist einer davon. Gewinnendes Lächeln, breite Schultern, moderne Frisur, gepflegtes Äußeres und ein sehr manierliches Auftreten. Immer gut gelaunt, immer zu einem Scherz aufgelegt. Sprichwörtlich gesagt, scheint diesem Mann die Sonne aus dem Ohr.

Es ist Dienstagvormittag, früh am Morgen. Akkurat und vor seinem Schaufenster kniend, putzt der Maestro himself feinsäuberlich das Glas. Es glänzt und blendet. „Morgen!,“ strahlt er bereits über beide Backen grinsend. Ein Mal pro Woche übernimmt er diese wichtige Arbeit höchstpersönlich. Das komplette Team empfängt einen auf dieselbe fröhliche Art und Weise. Obwohl gerade alle beschäftigt sind, begrüßt einen jeder nach und nach persönlich. Man wird herzlich umarmt, geküsst und dabei wird man ausgezogen. Wortwörtlich nimmt mir Eldin, der jüngste Lehrling in dem Friseurladen, schon den Mantel ab.


„Kaffee mit kalter Milch?,“ fragt Fatma, die bereits zu den Treppen Richtung Küche hüpft, noch bevor die Antwort kommt. Alle bewegen sich sehr schnell und leise fort, auch das fällt gleich auf, wenn man die Tür von Idriz Biserovic Hairdesign betritt. Viele StammkundInnen sitzen bereits am Wochenanfang früh morgens bei dem Friseur, der Trubel geht zur frühen Stunde schon los.


Photo: Nada Andjelic

Seinem eigenen Gefühl vertrauen


Mit der Unterstützung seines Schwagers renovierte der junge Unternehmer sein Geschäft selbst. Er erinnert sich an die Baustelle und wie alles begann, an seine Schulzeit, seine Lehrjahre und an die Ankunft in Österreich 1992. „Wir sind während des Krieges geflohen und als Familie hier her gekommen, wir sind aber nie als Flüchtlinge gemeldet worden,“ beschreibt der Friseur den Stolz, den er noch heute in sich trägt. Der Stolz, sich alles selbst erarbeitet zu haben und nicht auf jemanden angewiesen gewesen zu sein.


“Ich war 11 1/2 Jahre alt, als ich am 21. April 1992 in Wien ankam,” erinnert sich Idriz noch ganz deutlich und bildhaft an seinen Tag der Ankunft in die neue und fremde Heimat, als wäre es gestern gewesen. “Es waren Unruhen an diesem Tag. Plötzlich standen junge Soldaten vor uns. Niemand kannte sich aus.” An diesem besagten Wochenende, kam sein Vater, der bereits fast ein Jahr in Österreich arbeitete und jedes Wochenende die Familie besuchen kam, auch wieder an und erklärte seiner Frau und seinen zwei Kindern, sie müssten nun mit.


Photo: Idriz Biserovic Hairdesign

Die Brücke war gesprengt


Vormittags konnte man seine Heimatstadt Brcko noch verlassen, doch am Nachmittag war die Überquerung über den Fluss Sava blockiert. Die Brücke wurde gesprengt, um weitere Leute an der Flucht zu hindern. Also musste die junge Familie in die Nebenstadt weiter und traf am Flussufer Menschen, die Anderen mit einem Boot über den Fluss halfen. “Das waren einfach andere Menschen, die helfen wollten,” spricht Idriz über die Zivilcourage der damals Flüchtenden.


In Wien angekommen, hörte Idriz bisheriges Leben und das seiner Familie auf. Der Vater hatte eine Wohnung erworben um das ersparte Geld, das weder eine Toilette noch fließend Wasser hatte, “wir haben uns am Gang gewaschen.” Keine Ausnahme in den 1980er Jahren in Wien. Bis zu diesem Tag beschreibt Idriz seine Kindheit als bilderbuchhaft. Er hatte Sicherheit, Zuversicht und Freiheit. Dinge, die ab seiner Ankunft in Österreich weg waren. Es dauerte mindestens zehn Jahre, bis er sich “wohl und angekommen” fühlte.


Photo: Idriz Biserovic Hairdesign

Wir waren alle Jugos


Ab September mussten Idriz und seine rund drei Jahre ältere Schwester in die Schule. Während der Krieg im ehemaligen Jugoslawien noch bis 1995 anhielt und die Völker dadurch separiert wurden, wurden die Kinder aus diesem Gebiet hier in Österreich gemeinsam in die Klassen gesetzt. Kinder aus Bosnien-Herzegowina, Serbien und Kroatien saßen gemeinsam als JugoslawInnen im Schulunterreicht, vereint. Eine für viele Ex-JugoslawInnen ambivalente Situation. “Wir waren alle Jugos.”


Nachdem Idriz klar wurde, dass er nicht mit seinem Vater auf der Baustelle arbeiten wollte, war er sich sicher, dass er seine Gesundheit nicht für das gut verdiente Geld hergeben wollte. Durch seinen Hang zur Präzision und zum Perfektionismus, kam er zum Beruf des Drehers. Also bewarb er sich als Lehrling bei unzähligen Unternehmen, die ihm direkt klar machten, dass er als Bosnier keine großen Chancen hätte.


Photo: Idriz Biserovic Hairdesign

Seinem eigenen Gefühl vertrauen


Zwischenzeitlich begann seine Schwester ihre Lehre als Friseurin. Inspiriert dadurch folgte Idriz ihren Fußstapfen und fand hier seine nicht erhoffte Erfüllung. Der Erfolg stellte sich ein. Die KundInnen waren sehr zufrieden und lobten ihn und Idriz fand nach und nach Gefallen an seiner Berufung. Nach dem Bundesheer merkte der Friseur, er müsse mehr aus sich machen und schloss die Meisterprüfung ab. Danach folgten Eheschließung, der Schritt in die Selbstständigkeit und Kinder. Ab da ging alles ganz schnell.


Eldin und Fatma (vlnr.) I Photo: Nada Andjelic

Seit einigen Jahren hat er seinen eigenen Friseurladen in der Gonzagagasse in der Inneren Stadt. “Es ist erstaunlich, wie stark ein Mensch ist in so schwierigen Situationen,” lässt Idriz die Jahre nochmal Revue passieren. “Ab dem Zeitpunkt, wo du weißt, es gibt kein zurück mehr, musst du schauen, dass du weiter kommst,” erklärt Biserovic, “man muss sich neu aufbauen. Wenn du nichts machst, macht das keiner für dich!” Und genau dies ist essentiell für sein Leben: “Jeder weiß für sich, ob und was er kann, was er schafft.” Für inneren Frieden ist es wichtig, “nicht darauf zu hören, was die Anderen sagen” und seinem “eigenen Gefühl zu vertrauen,” erläutert der Stylist ganz ernst, fast schon andächtig.

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