• nova

Schönheitsideale in verschiedenen Kulturen

Ein Blick in die letzten Dekaden der westlichen Welt

Sandra Krajco-Riemer

#FEATURE #KÖRPER


Schönheit hat viele Gesichter und liegt im Auge des Betrachters. Die Vorstellung darüber ändert sich mit der Zeit. In jeder Epoche finden sich vorherrschende Ideale, die sich auf das Aussehen von Körper und Gesicht, Kleidung, Schmuck und Frisuren beziehen. Heutzutage kann über Medien und das Internet sehr schnell etwas verbreitet werden und somit mischen sich auch die Schönheitsideale verschiedener Kulturen. Durch die Globalisierung verschwimmen die Linien der Vorstellung von Schönheit. Uns wird das perfekte Aussehen täglich präsentiert, vors Gesicht gehalten und es wird mit Computerprogrammen verbessert.


Photo: Amir Geshani

Wenn wir einige Jahrzehnte zurückblicken, sieht man, wie sich das Schönheitsbild in jeder Dekade ändert. Nach den mageren Kriegsjahren war in den 50er Jahren ein weiblicher Körper mit Busen, Bauch und Po, wie es Marilyn Monroe darstellte, gefragt. Von Sport hielten die Frauen nicht viel: Waren sie zu schlank, nahmen sie Nahrungsergänzungsmittel, um schneller zuzunehmen. Die Konfektionsgrößen 40 oder 42 waren das Ideal. Einige Jahre später änderte sich die Vorstellung eines perfekten Körpers ins absolute Gegenteil. Das spindeldürre Model „Twiggy“ mit dem fast schon knabenhaften Aussehen und den großen Kulleraugen galt als das Ideal der 60er Jahre. Die sportliche Powerfrau der 70er Jahre musste groß, schlank, fit und gesund sein. In den vergangenen Dekaden wechselten androgyne Supermodels, Busenwunder und Super-Po-Frauen die Bildflächen. Zu keiner Zeit jedoch hatte die Perfektion des Äußeren einen derartigen Stellenwert, wie in der Gegenwart. Damit das Selbstwertgefühl nicht leidet, ist sogar der Weg zum Schönheitschirurgen normal geworden.


Iran - zwischen Moderne und Tradition

Photo: Gustavo Spindula

Die Lage des Iran zwischen Zentralasien, Kleinasien, Arabien und dem indischen Subkontinent hat zu einer hohen ethnischen Vielfalt geführt. Somit sind auch die Schönheitsbilder von großem Unterschied - ein Einheitliches gibt es nicht. Am besten kann man von dieser Vielfalt in Teheran erleben, wo Menschen vieler Regionen leben und ihre eigene Auffassung von Mode und Schönheit haben.


„Ich bin in Teheran geboren und aufgewachsen und habe die Diversität und die ästhetischen Unterschiede wunderschön und wichtig gefunden“, sagt Mahan, der vor einigen Jahren aus dem Iran flüchtete. „Das heutige Schönheitsideal im Iran ist geprägt von verschiedenen Faktoren. Dabei spielen die westlichen Vorbilder eine ebenso große Rolle wie die traditionelle Mode. Auch wenn sämtliche Medien der staatlichen Zensur unterliegen, haben soziale Medien einen wachsenden Einfluss auf die iranische Jugend." Die heutige junge Generation hat es trotz der gesellschaftlichen Einschränkungen geschafft, aus einer Fülle an Eindrücken zwischen Modernität und Tradition ihr Schönheitsideal zu finden.


Photo: Nika Akin

Blasser Teint ist bis heute ein wichtiges Schönheitsmerkmal in Japan

Sieht man sich die alten, japanischen Bildrollen aus früheren Jahrhunderten an, sind die wichtigsten Schönheitsmerkmale sofort erkennbar: Eine helle Haut galt als Zeichen des Wohlstandes und edler Herkunft. Da aber die Wenigsten von Natur aus einen hellen Teint hatten, griffen Damen und Herren zu reichlich weißem Puder. Das Rot als zweiter Faktor wurde zur Hervorhebung des Mundes verwendet. Es wurde aufgrund seiner leuchtenden Farbe als Symbol für Freude und Glück angesehen. Das schwarze Kopfhaar, das im Idealfall voll, glatt und sehr lang war, galt als eines der wichtigsten Schönheitsmerkmale. Diese an Schneewittchen erinnernde Vorstellung von Schönheit blieb über viele Jahrhunderte aktuell.


Die Schminktechniken haben sich bis heute geändert, das Schminken an sich ist aber immer noch sehr wichtig und unabdingbar für japanische Frauen. Um ihrem Schönheitsideal zu entsprechen, wenden Japanerinnen viel Zeit für Kosmetik auf. Fast 80 Prozent von ihnen schminken sich bis zu fünf Mal am Tag. Allerdings wollen sie dabei nicht schön oder sexy aussehen, sondern süß. Als ich die aus Japan stammende Moe nach dem heutigen Schönheitsideal fragte, meinte sie: „Die Unterschiede zur westlichen Welt sind nicht mehr so groß. Auch JapanerInnen wollen ein schmales Gesicht und einen schlanken Körper mit langen Beinen. Also genau das, was sie nicht sind“, Moe lacht. „Zwei Dinge fallen mir allerdings ein, die sehr typisch japanisch sind: der blasse Teint und die Operation der Lidfalte, um das Auge zu vergrößern“.

Um dem Einfluss der westlichen Welt, der Medien und der Globalisierung zu entfliehen und Schönheitsideale zu finden, die unseren in keinster Weise entsprechen, müsste man sich schon in Gebiete abseits der Zivilisation begeben. Dort gibt es mit Sicherheit Stämme und Völker, die mit unserer Vorstellung von Schönheit und Ästhetik nichts anfangen können.

Uns bleibt trotz all der Verblendung und vorgegaukelten Schönheitsideale immer noch die Wahl, uns auszusuchen, was uns gefällt und mit welchem Körper, welcher Schminke und Frisur wir uns am wohlsten fühlen. Glücklicherweise sind wir alle verschieden und tragen zu einem bunten, diversen und wunderschönen Ganzen bei.

  • Facebook
  • Instagram
Jetzt kostenlos und unverbindlich registrieren!
 
nov@-Member werden und Einladungen zu Events, exklusiven Infos uvm. erhalten!