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Saras Weltreise

Rettungsmission auf Bali

Sara Nedic

#KOLUMNE


11:00 Uhr: ,,Soll ich den weißen oder den violetten Rock nehmen?“, fragt mich meine Mum, während sie angestrengt in den Spiegel schaut. Wir sind mittlerweile schon drei Wochen auf Bali und heute haben wir vor, noch einmal in den Monkey Forest (Affenwald) zu gehen, weil Mama schöne Fotos für ihr Instagram braucht.

Photo: Sara Nedic

Als wir nach einer heißen Mopedfahrt ankommen, streifen wir durch den Wald und suchen nach einer perfekten Kulisse, als wir da plötzlich etwas Kleines liegen sehen. ,,Sara, komm schnell her!“, ruft mich meine Schwester und zeigt auf den Boden. Da liegt ein winziges Lebewesen und weit und breit keine Mama. Ist es vielleicht eine Babymaus? Oder ein Babyaffe?“, frage ich. „Quatsch, für einen Babyaffen ist es viel zu klein!“, mischt Mum sich ein. Wir suchen ein Nest, woraus es gefallen sein könnte, aber da ist nichts. Verzweifelt versuchen wir, eine Entscheidung zu treffen. Sollen wir einfach gehen und hoffen, dass die Mutter zurückkommt? ,,Wir nehmen es mit!“, beschließt Mum. Sie hebt das kleine Wesen entschlossen hoch und kuschelt es in ein Taschentuch.




,Wir richten ein kleines Bettchen und legen das kleine Wesen hinein


Photo: Sara Nedic

18:00 Uhr: Eine Katzenmilch, ein Babyfläschchen, ein Pinsel, eine Wärmeflasche und eine Decke liegen auf dem Fußboden unseres Hotelzimmers verbreitet. Ich füttere das kleine Tierchen während Mum die Wärmeflasche mit warmem Wasser füllt. Wir richten ein kleines Bettchen und legen das kleine Wesen hinein. ,,Okay, also hier steht, dass es alle zwei Stunden gefüttert werden muss, falls es eine Maus sein sollte.“

01:00 Uhr: Mein Wecker läutet. *Gähn.* Ich hebe vorsichtig das Baby aus seinem Bettchen. Es streckt sich genüsslich auf meiner Handfläche und ich kann seine winzige Zunge sehen. Langsam erwacht, gehe ich leise ins Bad und befülle eine heiße Schüssel, um die Milch zu wärmen. Und auch wenn die Flasche klein ist, ist sie immer noch zu groß für das Tierchen, weshalb wir es mit einem kleinen Pinsel füttern müssen. Nach dem Essen ist es fix und fertig und ich massiere den Bauch des Tierbabys mit einem Wattestäbchen. Nachdem es eingeschlafen ist, lege ich es wieder in sein Bett.


Photo: Sara Nedic

So geht es nun die nächsten drei Tage und Nächte, in denen ich und meine Mama uns damit abwechseln, auf das Tierchen aufzupassen und es zu füttern. War es anfangs noch sehr ruhig, wird es immer aktiver und wir haben Mühe, es in den Händen zu halten. Da das Bedürfnis, zu klettern aber immer stärker wird, fragen wir uns, ob es wirklich eine Maus ist oder eventuell ein anderes Tier, wie etwa ein Eichhörnchen. Während wir Tag und Nacht mit dem Tier beschäftigt sind, wird die Frage in unseren Köpfen immer lauter, was wir mit dem Tierbaby machen sollen, wenn wir in ein paar Tagen weiterfahren. ,,Okay, wir sind bald wieder zurück. Ruft an, wenn etwas ist“, sagt Papa, bevor er und Mum mit dem Moped und dem Tierchen losfahren, um ihr Glück bei der Suche nach anderen Versorger*innen für unseren Schützling zu versuchen. ,,Hoffentlich finden sie jemanden, der das Baby nehmen kann“, überlegt meine Schwester. ,,Ja, hoffentlich“, gebe ich zurück und wir gehen wieder ins Hotelzimmer zurück.


,,Es wollte keiner haben


Photo: Sara Nedic

19:00 Uhr: Wir warten nun schon viele Stunden, aber von unseren Eltern fehlt noch jede Spur. ,,Vielleicht sollte ich sie mal anrufen?“, überlege ich. Gerade, als ich meinen Satz beende, hören wir die Stimme von Dad und meine Schwester stürmt schon nach draußen. ,,Na endlich! Und? hattet ihr Erfolg?“, höre ich sie aufgeregt fragen, aber darauf folgt keine Antwort. Momente später steht auch schon Mama mit dem Tier in der Hand und enttäuschtem Gesicht in der Tür. ,,Nein, es wollte keiner haben. Plötzlich läutet das Handy von Papa und er hebt überrascht ab: ,,Hallo? Ja? Okay.’’ Und schon ist er wieder aus dem Zimmer verschwunden und lässt uns neugierig zurück.


Als er nach unendlich langen zehn Minuten zurück ist, erzählt er, dass die Katzenrettung Villa Kitty, bei der er und Mum gerade gewesen waren, angerufen und gemeint hatte, dass wir das Tier vorbeibringen könnten und sie versuchen würden, jemanden zu finden, der sich um das Tierchen kümmern könnte. Wir konnten es gar nicht fassen und waren unendlich glücklich und dankbar. ,,Ok, lasst uns jetzt schnell los’’, sagt meine Mum, nachdem wir das kleine Wesen noch ein letztes Mal gefüttert und es warm eingepackt haben. Auf dem Weg zu der Rettungsstation schießen uns tausend Gedanken durch den Kopf und wir sind einerseits sehr dankbar, auf der anderen Seite können wir uns jedoch gar nicht so richtig vorstellen, das kleine Würmchen einfach so abzugeben.


Dort erwartet uns die Frau, die uns mit einem Papagei auf der Schulter begrüßt


Photo: Sara Nedic

Bei der Villa Kitty angekommen, wird gerade ein völlig verdrecktes und ausgehungertes kleines Kätzchen versorgt und der kleine Raum ist voller Menschen. Die Leiterin, die uns angerufen hat, freut sich aber sichtlich, uns zu sehen und sagt, sie fände es unglaublich toll, dass wir uns so sehr für dieses kleine Wesen einsetzen. Angestrengt überlegt sie, was sie jetzt mit dem Tierbaby machen soll, wen sie anrufen könnte. Sie durchstreift ihr Handy, ihr Telefonbuch und ihre Kontakte auf Facebook, als sie plötzlich sagt, sie kenne eine ganz wunderbare Frau, die schon oft Nagetiere großgezogen hat. Uns fällt ein Stein vom Herzen!


Sie kontaktiert die Frau, die auch wie durch ein Wunder sofort zusagt! Wir können unser Glück gar nicht fassen und machen uns gleich auf den Weg, um ihr das Mäuschen, das sich mittlerweile als eine Art balinesisches Eichhörnchen herausgestellt hat, zu bringen. Dort angekommen erwartet uns ein chaotisches, offenes Wohnzimmer mit Blick auf den Dschungel, eine Katze und die Frau, die uns mit einem Papagei auf der Schulter begrüßt. Das Haus hat eine ganz besondere Atmosphäre und die Frau erzählt, dass sie nachts meist sowieso wach ist, um an ihren Bildern zu arbeiten und aus diesem Grund auch gerne einmal kleine Tiere großzieht.


Sie holt einen kleinen Käfig, der mit weichen Decken und einem Stofftier ausgefüllt ist und legt unser kleines Eichhörnchen hinein. Das Tier fühlt sich offensichtlich sehr wohl, kuschelt sich gleich in eine Decke und wir wissen nun, dass es Zeit wird, uns endgültig zu verabschieden.


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