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Psychosomatik

Ein fragiles Zusammenspiel

Ute Fuith

#FEATURE #SCIENCE


Die Psychosomatik beschäftigt sich mit der Wechselwirkung von Körper und Seele. Sie untersucht, wie sich psychische Einflüsse auf den Körper auswirken und

körperliche Erkrankungen psychische Prozesse beeinflussen.


Photo: Anna Kolosyuk

Dem Schmerzbericht 2018 des Magistrats für Gesundheits- und Sozialplanung der Stadt Wien zufolge leiden in Österreich rund 20% der Erwachsenen an chronischen Schmerzen mittlerer bis starker Intensität. In Summe sind das 500.000 bis 600.000 Menschen. „Die frühzeitige Einbindung von verhaltenstherapeutischer Schmerztherapie in ein multimodales Behandlungskonzept wäre für diese Patientinnen und Patienten wichtig“, empfiehlt Manuela Schagerl vom Consana Zentrum in Wien. „Die Verhaltenstherapie bietet neben der einfühlsamen Gesprächsführung viele Methoden für Schmerzpatientinnen und -patienten, wie beispielsweise Aufmerksamkeitslenkung, Wahrnehmungsschulung, Verhaltensexperimente, Entspannungs- und Achtsamkeitsmethoden, Imagination, Psychoedukation oder Schmerzbewältigungsgruppen. Das übergeordnete Therapieziel ist dabei die Verbesserung der Lebensqualität der Patientinnen und Patienten“, so Schagerl.

Der Fachbereich der Psychosomatik

Photo: Christian Erfurt

Psychosoziale Funktionsstörungen kommen häufig von Organen. Aber auch körperliche Erkrankungen können umgekehrt das Seelenleben stark beeinflussen.

Als Begründer der Psychosomatik gilt Thure von Uexküll. Der deutsche Mediziner führte Mitte des vorigen Jahrhunderts den Begriff des biopsychosozialen Modells ein. Dieses beschreibt den Zusammenhang von biologischen und psychischen Funktionen.

Heute definiert die Österreichische Gesellschaft für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin Psychosomatik als „die Wissenschaft und Heilkunde von den wechselseitigen Beziehungen psychischer, sozialer und körperlicher Vorgänge in ihrer Bedeutung für Gesundheit und Krankheit von Menschen. Sie befasst sich mit leib-seelischen Vorgängen im Gesunden und Kranken, zeigt sich in einer bio-psycho-öko-sozialen Grundhaltung und betrifft die Allgemeinmedizin ebenso wie alle medizinischen Fachrichtungen“.

Immer dann, wenn seelisch-emotionales Unbehagen oder belastende soziale Situationen, wie Angst, Depression, Burn-Out, Beziehungskrisen oder Erkrankungen und Behinderungen, zu Stress, Schmerzen und körperlichen Beschwerden führen, ist das Fachwissen der Psychosomatik gefragt.


Photo: Website des Barmherzige Schwestern Krankenhauses Wien

Angebote für Betroffene

Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien bietet ein individuell zusammengesetztes Programm für die Behandlung von psychosomatischen Störungen. „Bei uns kann die psychotherapeutische Behandlung im Einzel- oder Gruppensetting stattfinden. Sehr wichtig für die Behandlung ist eine stabile psychotherapeutische Beziehung“, sagt Larisa Dzirlo. Die Oberärztin ist interimistische Leiterin der III. Medizinischen Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik bei den Barmherzigen Schwestern in Wien. „Für die Entstehung der psychosomatischen Erkrankungen sind biologische und psychosoziale Faktoren verantwortlich. Es muss eine bestimmte Vulnerabilität für die Entstehung der PS Erkrankung vorliegen. Nach neuerer Forschung spielt die Genetik auch eine wichtige Rolle. Zusätzlich können schwere körperliche Erkrankungen Auslöser für die Entstehung einer PS Erkrankung sein. Zu den begünstigenden psychosozialen Faktoren zählen neben Stress und Überforderung unter anderem negative Erlebnisse in der frühen Kindheit sowie bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, wie z.B. vermeidende oder ängstliche Bindungsmuster, strukturelle Defizite oder die mangelnde Fähigkeit eigene Impulse, Affekte und den Selbstwert zu steuern“, erklärt Dzirlo.

Heilmittel aus der Apotheke

Die gegenseitige Einflussnahme von Körper und Psyche spielt nicht nur in der Medizin und Psychotherapie, sondern auch in der Pharmazie eine wichtige Rolle. So beleuchtete die diesjährige Sommerakademie der Österreichischen Apothekerkammer die Grundlagen der Psychosomatik. „Schulmedizinische Arzneimittel sind nicht die richtige Lösung zur Stressbewältigung“, ist Bernhard Ertl überzeugt. Der Pharmazeut arbeitet in der Pharmazeutischen Abteilung der Österreichischen Apothekerkammer. Es gebe aber rezeptfreie Heilmittel, die speziell auf die Harmonisierung von Körper und Psyche abzielen würden: die sogenannten Phytopharmaka. „Rosenwurz ist beispielsweise zur Linderung körperlicher und geistiger Symptome bei Stress und Überarbeitung zugelassen. Auch Ginseng und Taigawurzel kommen in Frage oder pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Melisse oder das pflanzliche Antidepressivum Johanniskraut“, so der Pharmazeut.


* Name von der Redaktion geändert.

Links


Consana I Zentrum für psychosoziale Gesundheit & Entwicklung I Online

ÖGPPM I Österreichische Gesellschaft für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin I Online

Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien I Fachklinik für den gesamten Verdauungstrakt und urologischen Bereich, Onkologie und Psychosomatik I Online

Stadt Wien I Beratung und Hilfe für Menschen mit psychosomatischen Beschwerden I Online



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