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Legal Highs

Finger weg von künstlichem Gras!

Anselm Schindler

#FEATURE #SUCHT


Seit einigen Jahren machen immer wieder Horrormeldungen über synthetische Kräutermischungen wie Spice oder Red Lava Schlagzeilen. Auch in Österreich landeten bereits dutzende Jugendliche wegen den Mischungen, die mit chemisch hergestellten Cannabinoiden und anderen psychoaktiven Substanzen versetzt sind, im Krankenhaus. Und es gab bereits Tote: Zuletzt verstarb 2018 ein Lehrling auf einem Spielplatz in Vöcklabruck am Konsum einer Kräutermischung. Wie ist die Lage heute? Ist das Zeug legal? Und: Macht es abhängig?

Photo: Sharon McCutcheon

Wer an legale Drogen denkt, der denkt wohl zuallererst an Alkohol und Nikotin. Dabei gibt es auch eine ganze Palette anderer Rauschmittel, die in Österreich und anderen europäischen Ländern legal verkauft oder zumindest straffrei mitgeführt und konsumiert werden können. Darunter fallen einerseits einige sogenannte Naturdrogen, also Rauschmittel, deren Wirkstoffe rein pflanzlich sind und die nicht synthetisch verändert worden sind. Andererseits versteht man darunter aber auch Substanzen, die mit einer Vielzahl an verschiedenen chemisch hergestellten Wirkstoffen versetzt sind. Die Hersteller verwenden Tricks, um Verbote zu umgehen: Sie kennzeichnen die Produkte als Badesalz, Dünger oder Räuchermischungen. Die bekannteste dieser Drogen ist wohl die Kräutermischung "Spice". Sie wird von den Herstellern als legaler Cannabis-Ersatz gehandelt.


Konsum in Österreich


Photo: Claudio Schwarz

"Spice" war, bevor es 2008 verboten wurde, auch in Österreich einige Jahre lang als Modedroge unter Jugendlichen verbreitet. Das rührte vor allem daher, dass es einfach online bestellbar war. Auch in diversen Läden konnte man die Kräutermischungen kaufen. Und das Zeug hat einen weiteren Vorteil: Es lässt sich im Gegensatz zu Cannabis nicht im Blut nachweisen. Die Verbotspolitik gegenüber Cannabis führt damit indirekt auch zur Steigerung der Attraktivität von legalen Räuchermischungen, die im Regelfall aber weitaus gefährlicher sind als Gras selbst. Inzwischen ist der Konsum zumindest in Österreich wieder zurückgegangen: „Bei uns sind 'Spice' oder andere Räuchermischungen in Beratungsgesprächen kaum ein Thema“, erklärt Karl Schubert-Kociper, Leiter der Wiener Drogenberatungsstelle checkit.



Schubert-Kociper verweist dabei auch auf die Ergebnisse des Suchtmittel-Monitorings, das vom Institut für empirische Sozialforschung im Auftrag der Stadt Wien herausgegeben wird. Für das letzte Monitoring wurden 600 Menschen ab 15 Jahren zu ihrem Konsumverhalten der letzten drei Jahre befragt. Demzufolge liegt die Quote für Kräutermischungen bei unter einem Prozent. Das liegt wohl vor allem daran, dass viele potenzielle Konsument*innen durch die Todesfälle abgeschreckt wurden. Und wohl auch an der Veröffentlichung von Berichten, die belegen, dass "Spice" und Co. stark abhängig machen können. Konsument*innen berichten von starken Entzugserscheinungen wie Herzrasen, Panikattacken und Schweißausbrüchen. Vermutlich hat auch das Verbot von "Spice" zum Konsumrückgang beigetragen. Verbote alleine helfen allerdings nicht, denn die Hersteller sind erfinderisch: Sobald eine Räuchermischung oder ein vermeintliches Badesalz verboten wird, erfinden sie einfach eine neue Mischung mit einer veränderten Zusammensetzung. Der Gesetzgeber ist den Herstellern so immer einen Schritt hinterher.


Naturdrogen ≠ ungefährlich


Photo: Goashape

Weniger Suchtpotenzial haben dagegen sogenannte Naturdrogen, die teilweise auch in Österreich legal zu erwerben sind. Besuch eines Shops in der Wiener Innenstadt: Die Fenster sind von tropischen Pflanzen zugewachsen und auf Regalen werden neben eingelegten Echsen und einer präparierten Schlange verschiedene Kräuter und pflanzliche Pulver angeboten. Mit „chemischem Zeug“ wie synthetischem Cannabis habe man hier nichts zu tun, erklärt Mike, einer der Verkäufer. Dafür gibt es im Laden allerhand Substanzen mit exotisch klingenden Namen: Aztekensalbei beispielsweise, der halluzinogen wirken kann, Hawaiianische Holzrosensamen, die einen LSD-ähnlichen Stoff enthalten oder Kratom, ein pflanzliches Opioid.


Photo: gras grun

Konsumiert werden die Stoffe auf unterschiedliche Weise: Sie werden geraucht, gegessen oder als Tee getrunken. Begriffe wie „pflanzlich“ oder „Naturdroge“ suggerieren dabei zumindest für Laien, dass die Stoffe ungefährlich sind - und darin liegt wohl mit die größte Gefahr der Substanzen. Denn unproblematisch sind sie bei weitem nicht, vor allem weil die zerkleinerten Blätter, Samen, Rinden und Hölzer auf verschiedene Menschen sehr unterschiedlich wirken können und nur schwer zu dosieren sind.


Der Aztekensalbei (oder auch Salvia Divinorum) beispielsweise schlägt nicht bei allen, sondern nur bei manchen Konsument*innen an – wer ihn spürt, spürt ihn dafür umso heftiger. Die Trips dauern nicht lange, zumeist nur einige Minuten, die Erfahrungen reichen von Lachanfällen bis hin zu außerkörperlichen und spirituellen Erfahrungen sowie Halluzinationen. Viele Konsument*innen fangen auch an, zu schwitzen oder verspüren ein starkes Ziehen an verschiedenen Körperteilen. Das Suchtpotenzial von Salvia und vielen anderen Naturdrogen ist eher gering. Wie bei anderen psychoaktiven und halluzinogenen Drogen kann der Rausch aber Schäden in der Psyche hinterlassen.


Nur weil "Natur" draufsteht, bedeutet das nicht, dass der Konsum unproblematisch ist. Auch legale Drogen sollten von Konsument*innen nicht unterschätzt werden. Wer trotzdem zu Drogen wie dem Aztekensalbei greift, sollte das niemals alleine tun und eine nüchterne Person dabei haben. Schließlich kann die veränderte Wahrnehmung auch dazu führen, dass man sich selbst in Gefahr bringt. Wer seine Drogen vorher auf deren Zusammensetzung testen möchte kann das bei checkit in Wien machen.

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