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Leben im Sulky

Ein Lokalaugenschein

von Ute Fuith


Die Trabrennbahn Krieau ist ein Ort mit langer Tradition. Die Magie der 1878 eröffneten Sportstätte im Herzen des Wiener Praters hat sich bis heute erhalten. An knapp 30 Renntagen pro Jahr trifft hier nostalgisches Flair auf sportlichen Ehrgeiz.


Hubert Brandstätter - Photo: Ute Fuith

Der Sonntag beginnt für Hubert Brandstätter und seine Partnerin Dagmar Spörker im Stall bei ihren 40 Pferden. Drei davon werden heute von Ebreichsdorf nach Wien gebracht. Es ist Renntag in der Krieau. „Diesmal starten wir mit Unforgettable, Viva Venus und Rio de Alar“, verrät Brandstätter. Zweimal wird er dabei selbst in den Sulky steigen.



Der gebürtige Oberösterreicher zählt zu den besten Fahrern des Landes. Die Leidenschaft für das Trabrennen hat den Spross einer Pferdesportfamilie schon als Kind gepackt. In seinen mittlerweile zehn Jahren als Berufsfahrer- und Trabertrainer konnte der gelernte Hufschmid bereits zahlreiche Preise einheimsen. Zu seinen größten Erfolgen zählt der Sieg im Graf Kálmán Hunyady Gedenkrennen 2014. Das Rennen zur Erinnerung an den ersten Präsidenten des Wiener Trabrennvereins findet alljährlich statt und ist eines der wichtigsten und ältesten Traberevents Europas.


Photo: Ute Fuith

Die Tiere entlohnen die Mühe


An diesem sonnigen Tag stehen die Zeichen ebenfalls auf Sieg. Aber bis eines von Brandstätters Pferden an den Start geht, bleibt noch Zeit für einen Kaffee mit Dagmar Spörker. Im Stall Brandstätter ist sie für die Administration und Buchhaltung zuständig. Auch ihr liegen die Pferde am Herzen: „Es ist wunderschön, zu sehen, wie sich die Tiere entwickeln – da bekommt man viel von der Mühe zurück, die man investiert“, sagt Spörker.


Im Krieauer Beisl, dass auf der Stallseite der Trabrennbahn liegt, kennt sie fast alle Leute, darunter Fahrer, Pferdebesitzer, Trainer oder Wettboten. „Die Atmosphäre hier ist sehr familiär“, beschreibt Spörker. Im Stall Brandstätter wird übrigens auch der einzige Trabrennsport-Lehrling Österreichs ausgebildet: Dominik Duda wird im fünften Rennen mit „Rio de Alar“ für seinen Lehrherren starten – und gewinnen.


Photo: Ute Fuith

Nachwuchs gefragt


Draußen vor dem Beisl sammeln sich derweil sieben Ponys zum März-Handikap der „Mini-Traber“. Als Fahrerin mit dabei ist eine 15-Jährige aus Niederösterreich. Obwohl noch so jung, hat das Mädchen schon genug Erfahrung sammeln können, um mit dem Pony „Indigo“ das Rennen zu gewinnen. Stolz führt sie den Sieger zurück in den Stall. Von allen Seiten rufen ihr die Zuschauer Glückwünsche zu.


Vor einem der Ställe ist ein Stand mit allerlei Zubehör für den Rennsport aufgebaut. Viele Profis und Amateure nutzen den Tag um neues Material einzukaufen. „Früher war aber mehr los“, meint der Verkäufer, der seit 30 Jahren auf sämtlichen Rennplätzen Österreichs unterwegs ist. Die Krieau ist für den weitgereisten Mann „der schönste Rennplatz weit und breit – und es wäre schade, wenn es ihn nicht mehr gäbe“.


Hoffnung auf Förderung


Tatsächlich macht der Besucherschwund dem Trabverein schon seit längerem zu schaffen. Ein Grund dafür ist, dass sich seit dem Siegeszug des Internets, auch das Wettgeschäft dorthin verlagert hat. Großes mediales Interesse an der Krieau gab es aber erst im Vorjahr, als der Verkauf der Traditionsrennbahn durch die Stadt Wien bekannt wurde. Der neue Besitzer, die IC Development, hatte bereits in den Jahren davor große Flächen rings um das Areal erworben, um das „Viertel Zwei“ zu errichten. Das gab den Gerüchten um eine Standortverlegung - oder gar dem Aus der Trabrennbahn Krieau - weiteren Zunder.


Photo: Ute Fuith

Mittlerweile haben sich die Spekulations-Wogen aber wieder geglättet: „Wir arbeiten an zukunftsfähigen Konzepten“, beruhigt Andreas Binder, Vorstandsmitglied des Wiener Trabrennvereins. Seit zwei Jahren bemüht er sich um ein erweitertes Serviceangebot rund um die Krieau, dazu zählt unter anderem die bessere Vermarktung regelmäßiger Doppelsitzer- Rennen, bei denen auch Laien einmal Rennluft schnuppern können.


Die Nutzung der Lokalität für Konzerte oder sonstige Veranstaltungen soll zusätzlich Geld in die Kassen des WTV spülen. „In der nächsten Zeit geht es um die finanzielle Stabilisierung des Vereins“, sagt Binder. Ein großer Brocken dabei sei die Erhaltung der Denkmal geschützten Anlage: „Bislang bekommen wir dafür keinerlei Förderungen“, bedauert Binder, aber das könnte sich bald ändern: „Wir führen aktuell Gespräche zu dem Thema und hoffen auf Unterstützung, um den historischen Standort im Herzen Wiens halten zu können“.


Photo: Ute Fuith

Auf Sieg gesetzt


Langsam geht die Sonne hinter den Neubauten am Westrand der Trabrennbahn unter. Bei den Tribünen fiebert Georg einem Sieg entgegen. Er hat auf „Unforgettable“ gesetzt. Und tatsächlich schafft es das Pferd mit dem Fahrer Hubert Brandstätter auf den ersten Platz. Georg hat fünf Jahre lang als Wettbote in der Krieau gearbeitet: „Ich war jeden Sonntag hier, bei jedem Wetter“, erinnert sich der 40-Jährige.„Die Stimmung in der Krieau ist schon einzigartig“.


Auch seiner sechsjährigen Tochter gefällt es gut. „Wenn ich groß genug bin, möchte ich da auch einmal mitfahren“, meint die Kleine, die extra für den Renntag ihren Einhorn-Kopfschmuck aufgesetzt hat. Bleibt zu hoffen, dass es die Trabrennbahn Krieau dann auch noch gibt.


Links:

Wiener Trabrennbahn Krieau

Trabertrainer Hubert Brandstätter

Stadtentwicklungsprojekt VIERTEL ZWEI


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