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Krankheit

Nada Andjelic

#KOLUMNE


Wann auch immer man sich gegenseitig etwas wünscht oder sich beglückwünscht, ist Gesundheit mit dabei und zwar in zahlreichen Kulturkreisen. Von Ost bis West wird „Gesundheit!“ gerufen. Ein kostbares Gut, das jedoch auch sehr zerbrechlich ist. Dies ist auch Schwerpunkt unserer neuen Feature-Ausgabe: Gesundheit.


Spannend bis hin zu fast ironisch finde ich den Zeitpunkt unserer Fertigstellung. Jetzt, wo der Hype um den Coronavirus ausgebrochen ist. Es ist Panikmache par excellence, was sich hier medial abspielt. Ich bitte alle unsere LeserInnen, denen ich dies absolut zutraue (wenn Sie es nicht schon gemacht haben, da Sie ja auch eineR unserer LeserInnen sind!), sich genauestens über die Virus-Hypes der vergangenen Jahre und all die bakteriellen Verpestungen, die unser Land heimgesucht haben, zu informieren. Am Besten, Sie sprechen mit den ÄrztInnen Ihres Vertrauens darüber! Eine meiner liebsten Arten, mich schlau zu machen als Journalistin. Direkt an der Quelle! Hände waschen*, Wasser trinken, gesund kochen, bewegen und gut is‘! Alle Arten von Prävention werden selbstverständlich begrüßt von unserer Seite, doch alle Vorsicht in Maßen. Es gibt genügend andere Krankheiten, die uns einholen können, wie später erwähnt wird.


Photo: Roberto Nickson

Sind wir von Krankheit geplagt, baut sich alles andere darum auf. Man kann nicht mehr arbeiten, sich nicht mehr um notwendige Aufgaben kümmern, man ist je nach Ausmaß „außer Funktion“. Die meisten Menschen, die ich kenne, die unter einer oder mehreren chronischen Krankheiten leiden, haben schlichtweg gelernt, damit zu leben. Es gibt zahlreiche gesundheitliche Störungen, die ich aufzählen könnte, von Depression bis Muskelatrophie, die man als außenstehende Person nie wahrnehmen würde, die betroffene Menschen jedoch stark in ihrem Alltag belasten.


„Nur starke Menschen haben schwere Wege“


So wie ein Muskel durch Anstrengung wächst, so gehen auch Kranke durch ihre Prozesse, wenn sie denn gesunden, gestärkt hervor. „Nur starke Menschen haben schwere Wege“, habe ich mal auf einem Auto-Aufkleber gelesen. Auf Anhieb fiel mir Lidija als eine der Ersten ein. Schwer Erkrankte sind oft Menschen, die einem sehr charismatisch bis hin zu dominant begegnen. Sie haben gelernt, lauter sein zu müssen, um gehört zu werden.


Photo: Teddy Thornton

Doch dies ist nur die soziale Komponente. Auch der psychische Zustand wird durch eine Phase der schweren Erkrankung gestärkt. Man besinnt sich in einem Zustand des Schmerzes dessen, was man hat und begegnet dem Moment der Dankbarkeit. Sobald der Schmerz etwas nachlässt, ist man bereits dankbar. In der nächsten Phase ist man dankbar dafür, immer noch schmerzfrei und schließlich, wenn es so ist, auch gesund zu sein. In einer so wertschätzenden Haltung ist man seines Lebens dankbar und möchte dies in dem Moment der Erkenntnis über seine Gesundheit am liebsten hochhimmeljauchzend zelebrieren. Wer kennt das nicht!? Nach drei Tagen Fieber und im Bett - der Sprung raus aus dem Pyjama, raus aus der Wohnung, wieder zurück ins Leben.


Vier Wochen Quarantäne


Manchmal dauern Krankheiten doch viel länger als nur drei Tage. Und manchmal sind sie so schwerwiegend, dass sie das eigene Leben komplett übernehmen. Hier eine Geschichte aus dem eigenen Nähkästchen:


Photo: CDC

Der Vater meiner vierjährigen Tochter hat sich vor etwa vier Wochen mit Pneumokokken und Streptokokken angesteckt. Kein Coronavirus, sondern Bakterien, die auch in Europa weit verbreitet sind. Da er nicht geimpft war, erlitt er einer schweren Lungenentzündung und seine Lunge kollabierte mit 39 Jahren! Seitdem ist er unter Quarantäne und von der Außenwelt abgeschnitten. Er ist abhängig von Anderen und in seiner Wohnung eingesperrt. Er fühlt sich wie im Gefängnis und hilflos. Zwar ist er bereits auf dem Weg der Besserung, doch die Rehabilitation wird noch länger dauern. Er wird gestärkt aus der Sache herausgehen, es wird dauern, doch es ist so. Seine Lunge wird neu lernen zu atmen und vielleicht durch eine achtsamere Lebensführung auch besser werden als je zuvor! Und seine Erkrankung hat auch mich etwas bewusster gemacht, ich wasche mir noch ein Mal mehr die Hände.


Unsichtbare Krankheiten


Photo: Ben White

Doch weit ausgeschweift möchte ich wieder zurück zu dem Thema „chronische Erkrankungen“, denen man öfter begegnet, als gedacht. Ohne eine Hexenjagd anzutreiben, sei dahingestellt, wie vielen Erkrankten man im Alltag begegnet, ohne es wissen. Darunter sind seltene Störungen, von denen man im Leben nichts gehört, geschweige denn davon gelesen hat. Der Grund dafür ist, dass sich viele Leute schämen, über ihre Belastungen zu sprechen!


Man wird verurteilt dafür, krank zu sein. Von schief anschauen, über Mitleid bis hin zu Mobbing, kann einem alles passieren, wenn man über seinen Gesundheitszustand spricht. Sie könne nie wieder einen Job finden, sagte mir etwa eine Freundin, wenn sie sich einen Krankenkassenplatz für ihre Depression besorge. Schlimm ist das Mindset und die damit verbundene Angst, die man im Bezug auf seine Hindernisse hat, mit denen Betroffene jedoch vorbildhaft umgehen.


Photo: Nicholas Green

Einen Preis haben alle verdient, die krank sind und jeden Tag damit umgehen! Einen Handschlag für die Größe und Stärke, all dies durchzustehen und dennoch oft zu leisten, was Gesunde leisten. Ein „Hurra!“ für alle, die wieder gesund sind! Und ein „Hoch!“ auf alle, die noch durch eine Krankheit gehen!


Für Mario! Gute Besserung, Super-Papa!



*Anm.: Körperhygiene im Allgemeinen ist wichtig!


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