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Heimat 3.0

30 Jahre ‚Heimat Fremde‘ Heimat im ORF

von Samuel Mago


Kulturelle Vielfalt, Miteinander, Diversität. Dafür und für so vieles mehr steht die Sendung ‚Heimat Fremde Heimat‘, die seit nunmehr drei Jahrzehnten jeden Sonntag auf ORF 2 ausgestrahlt wird. Bei einer prominent besetzten Gala im Burgtheater gratulierten am Dienstag Abend KünstlerInnen wie Klaus Maria Brandauer, Willi Resetarits, André Heller, Ethel Merhaut und Dirk Stermann mit Literatur und Musik zum 30. Jubiläum der Sendung. Das nov@-Team war dabei und sprach mit Willi Resetarits und Dirk Stermann über die Wichtigkeit des gefeierten Formats.

Für viele Zuwandererfamilien war und ist ‚Heimat Fremde Heimat‘ mehr als nur Fernsehen. Unter der Führung von Silvana Meixner hat sich das Magazin als eine bedeutungsvolle und notwendige öffentliche Plattform für zahlreiche Gesellschaftsgruppen in Österreich etabliert. Manche ÖsterreicherInnen, die Nachkommen von GastarbeiterInnen sind, sprechen heute von einem Ritual, das sich in ihrer Kindheit sonntags vor dem Fernseher zugetragen hat, wenn im ORF einmal die Woche ihre Muttersprache ertönte.



Willi Resetarits I Photo: Lukas Beck

„Meine Mutter war schon ein Fan der ersten Stunde“, erzählt Sänger und Menschenrechtsaktivist Willi Resetarits gegenüber nov@. „Die Redaktion ist und war immer schon umkämpft, weil es sehr viele Stimmen gibt, die sagen ‚für wos brauchma des?‘. Sie ist aber eine ganz, ganz wichtige Errungenschaft für Österreich, weil man mit den Minderheiten nicht immer so umgegangen ist, wie es der Österreichische Staatsvertrag vorsieht“, so der Burgenlandkroate.


Eine Bastion für Minderheiten


Auch Alexander Wrabetz sprach auf der Bühne von der wichtigen Rolle des Magazins. ‚Heimat Fremde Heimat‘ sei vor 30 Jahren eine Sendungsinnovation gewesen und kam damals gerade zur richtigen Zeit, so der Generaldirektor des ORF. In Zeiten wie diesen, sei die Bedeutung von Sendungen wie ‚Heimat Fremde Heimat‘ wahrscheinlich größer denn je. Wenn es sie jetzt nicht gäbe, dann müsse man sie erfinden, erklärte er dem Publikum. Selbst Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek schickten ihre Grußworte. André Heller, der per Videoeinschaltung zum Publikum sprach, nannte ‚Heimat Fremde Heimat‘ „eine Bastion für Minderheiten und Menschen die in Not sind und eine Oase der Wahrhaftigkeit, wo das Mitgefühl eine Plattform hat“.


Burgtheater I Photo: Georg Soulek

Gastgeber der Gala war das geschichtsträchtige Wiener Burgtheater, in dem an diesem Abend kein Sitzplatz leer blieb. Auf der Bühne standen prominente Österreichische AutorInnen und MusikerInnen aus den verschiedensten Communities des Landes. Bereits lange vor Beginn der Veranstaltung waren die Karten restlos ausverkauft. Auch im Publikum befanden sich bekannte KünstlerInnen, wie die Schauspielerinnen Sandra und Simonida Selimović. „Für uns war es eine Besonderheit, dass an dem größten Haus im deutschsprachigen Raum unsere Volksgruppe vertreten war und dass Minderheiten und Demokratie heute Abend so viel Platz hatten, erzählten die prominenten Vertreterinnen der Volksgruppe der Roma.


Dirk Stermann I Photo: Udo Leitner

Dirk Stermann vertrat die größte MigrantInnen-Gruppe


Die größte MigrantInnengruppe Österreichs, nämlich die Deutschen, wurden auf der Bühne vom Star-Kabarettisten Dirk Stermann vertreten. Auf die Frage, ob er denn Willkommen (in) Österreich sei, erklärte er gegenüber nov@: „Ich bin inzwischen willkommen in Österreich. Am Anfang habe ich mich nicht so ganz willkommen gefühlt, aber mich davon nicht abschrecken lassen. Man muss halt auch durchhalten. Akzeptanz durch Penetranz ist so mein Motto.“


Der Co-Host der Sendung ‚Willkommen Österreich‘ verpackt auch Woche für Woche eine gute Prise Gesellschaftskritik in seine Gags. Der Vielfalt eine Stimme zu geben sei heute notwendig. „Das geile an Wien ist, historisch betrachtet, dass es immer schon so war, dass ganz viele Menschen von überall herkamen, ohne dass es ‚Heimat Fremde Heimat‘ gab. Und das führte oft zu großen Problemen. Und darum ist es gut, dass man zumindest eine kleine Nische hat für diese Menschen, dass sie mal überhaupt öffentlich auftreten“, so der Kabarettist.


Die hochkarätig besetzte Gala endete mit minutenlangem stehendem Applaus. Silvana Meixner stand umgeben von UnterstützerInnen und WegbegleiterInnen auf der Bühne und konnte stolz auf eine mehr als erfolgreiche, 30-jährige Redaktionsarbeit zurückblicken. Während dem tosenden Applaus im Burgtheater stimmten sich die Menschen vor dem Rathaus direkt gegenüber bereits auf die Feierlichkeiten des 1. Mai ein. Die Gäste der Gala wurden so beim Verlassen des Burgtheaters passender Weise mit der ‚Internationale‘ verabschiedet.

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