• nova

Fit durch Fasten?

Expertenmeinungen und Eigenerfahrungen

Sofia Nappo

#FEATURE #SCIENCE


Fasten steht schon lange als Heilsbringer zur Debatte. Fasten hat schließlich Tradition: Neben der religiös motivierten Askese betonen auch zahlreiche Gesundheitsexperten und -expertinnen die positiven Effekte des Fastens. Aber können auch durch Intervallfasten, also zeitlich vorübergehendes Fasten, positive Effekte erzielt werden?


Intervallfasten bedeutet, über einen gewissen Zeitraum völlig auf die Nahrungsaufnahme zu verzichten. Hierbei gibt es viele verschiedene Methoden. So ist bei der Fastenmethode 16:8 eine tägliche Nahrungspause von 16 Stunden vorgesehen, in den übrigen acht Stunden des Tages jedoch ist uneingeschränktes Essen erlaubt. Ernährt man sich dagegen fünf Tage der Woche wie gewohnt und fastet zwei Tage lang, spricht man vom Intervallfasten 5:2. Letztlich wird beim Alternate-Day-Fasting (ADF) abwechselnd einen Tag lang auf Nahrung verzichtet und einen Tag lang wie üblich gegessen.


Photo: Henrique Felix

Studie der Universität Graz


Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Graz konnte zahlreiche positive Effekte des Intervallfastens auf die körperliche Gesundheit der Probanden und Probandinnen nachweisen. Die Hälfte der 60 gesunden und normalgewichtigen Teilnehmer und Teilnehmerinnen sollte dabei vier Wochen lang nach der ADF-Methode einen Tag lang fasten und einen Tag lang wie gewohnt essen, während die übrigen 30 Teilnehmer und Teilnehmerinnen ohne diätologischen Einschränkungen lebten. Für die Fastenden ergaben sich Essenspausen von 36 Stunden, da sie auch über Nacht keinerlei Nahrung zu sich nahmen. Um auch die langfristigen Effekte des Fastenprogramms zu untersuchen, wurden weitere 30 Personen herangezogen, die über sechs Monate lang Alternate-Day-Fasting betrieben hatten.


Bereits nach 4 Wochen verloren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen durchschnittlich 4,5% ihres Körpergewichtes (dies entstpricht im Schnitt etwa 3,5 kg) und das viszerale Fett, welches die Organe umgibt, wurde reduziert. Durch die Fettverbrennung bei Kohlenhydratmangel stieg auch die Anzahl der Ketonkörper, die entzündungshemmend wirken und auch vor vorzeitiger Alterung des Körpers schützen sollen. Darüber hinaus konnte eine Senkung des Cholesterinspiegels festgestellt werden. Im Gegensatz zu anderen Studien konnten hier auch nach 6 Monaten keine negativen Auswirkungen des Fastens festgestellt werden. Allerdings ist bei der Auslegung der Studie Vorsicht geboten: Aufgrund der geringen Zahl der Probanden und Probandinnen ist sie nicht repräsentativ.


Warum hat das Fasten solch eine positive Wirkung auf unseren Körper?


Photo: Kamil Szumotalski

Durch den Prozess der Autophagie, für dessen Erforschung der Japaner Yoshinori Ohsumi 2016 den Nobelpreis für Medizin erhielt, durchläuft der Körper eine Art Regenerierung. Das Fasten regt den Stoffwechsel der Zellen an. Diese suchen sich sodann, weil sie keine Nahrung geliefert bekommen, andere Energiequellen und zersetzen dabei eigene, geschädigte Reserven.


Diese Ergebnisse wurden jedoch bei gesunden Personen erhoben - somit ist nicht erwiesen, welche Auswirkungen das Fasten auf Personen mit chronischen oder akuten Erkrankungen hat. Eine Folgestudie zur Untersuchung dieses Aspektes ist für Herbst 2020 geplant. Die Interfast-2-Studie soll die Auswirkungen des intermittierenden Fastens bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ II unter Insulintherapie untersuchen.


Selbstversuch


Studienleiter Frank Madeo von der Universität Graz ist selbst überzeugter Intervallfaster und empfiehlt, sich langsam an die Methode heranzutasten. Der Mensch sei ein Gewohnheitstier und könne sich somit nach einigen Wochen an die Ernährungsumstellung gewöhnen. Er fühle sich mit dem Intervallfasten fitter und gesünder.


Aus persönlicher Erfahrung kann ich dieses Gefühl nur bestätigen. Zunächst ließ ich das Frühstück aus und tastete mich nach und nach an das 16-stündige Fasten heran. Auch wenn es am Anfang nicht einfach war, bemerkte ich schnell, dass sich das Hungergefühl durch vermehrtes Trinken eindämmen ließ und ich mich an die längeren Essenspausen durchaus gewöhnte. Insgesamt stellte ich fest, dass ich meine Mahlzeiten bewusster einnahm und trotz der verminderten Nahrungsaufnahme immer noch gleich viel (wenn nicht sogar mehr) Energie an den Tag legte.


Nichtsdestotrotz sollte jeder und jede eine für ihn oder sie geeignete Ernährungsweise finden, die sich auch mit dem eigenen Lebensrhythmus verbinden lässt. Das Intervallfasten scheint hierbei für gesunde Menschen eine attraktive Methode, sich bewusster mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen und auf langfristige Sicht sogar Ressourcen zu sparen.

Links


DER SPIEGEL Online I Was ist Autophagie und wofür ist sie wichtig?

Studie auf englisch von Cell Metabolism Online I Alternate Day Fasting Improves Physiological and Molecular Markers of Aging in Healthy, Non-obese Humans

  • Facebook
  • Instagram
Jetzt kostenlos und unverbindlich registrieren!
 
nov@-Member werden und Einladungen zu Events, exklusiven Infos uvm. erhalten!