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Eltern vs. Großeltern

Konflikt in der Erziehung

Tanja Bühringer

#FEATURE #ERZIEHUNG


Aufpassen oder Erziehen? Wie viel Einfluss Großeltern auf die EnkelInnen haben und wie viel sie haben sollen bzw sollten ist ein ewiger Konflikt, der früher oder später in Familiensituationen auftaucht.


6 Uhr, Montagmorgen. Das Kind liegt mit 38° C Fieber im Bett, aber man selbst muss in die Arbeit. Der Griff zum Telefon ist da oft die letzte Rettung: „Mama, kannst du heute aufpassen?“ Wieder stehen sie bereit - die Großeltern. Doch nicht immer ist es so einfach. Am Abend kommt man dann gestresst vom anstrengenden Berufsalltag nach Hause, öffnet die Haustür und der kleine Fratz hüpft um 22:00 Uhr immer noch quietschlebendig, mit Süßigkeiten vollgestopft, auf und ab und weigert sich ins Bett zu gehen. „Ich bin dann mal weg.“, ruft die Großmutter zum Abschied.


Beinahe jeder Elternteil hat derartige Situationen bereits erlebt und kommt damit immer wieder in eine Zwickmühle: Wie viel sollen sich die Großeltern in die Erziehung der Kinder einmischen? Sollen sie Werte vermitteln, als SpielkameradInnen dienen oder sind sie lediglich zum Verwöhnen da?


Photo: Paolo Bendandi

Großeltern: Die Hilfestellung bei beruflicher Situation


Großeltern übernehmen für viele, gerade in der heutigen Zeit, einen wesentlichen Teil der Kinderbetreuung- und erziehung. Beobachtbar wird dies vor allem aufgrund der Umbrüche im Familiendasein. Familienkonstellationen weichen immer mehr von traditionellen Konzepten ab und Patchworkfamilien oder Alleinerziehende bilden keine Ausnahmen mehr. Auch die Stellung der Frau hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv geändert und die Rolle der Hausfrau und Mutter der 1970er Jahre musste in vielen Fällen jener der Karrierefrau weichen.


Dabei bedeutet die Berufstätigkeit der Frau keinesfalls das Ende der Mutterschaft. In Österreich leben derzeit 1,4 Millionen Familien mit Kindern, wobei es sich bei 13% der Familien um Ein-Eltern-Familien handelt. Dabei liegt, so Statistik Austria, die Erwerbstätigkeitsquote der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren bei 66,9%, bei den Männern sogar bei 92,7%.

Betrachtet man diese Zahlen, wird klar: Die Balance zwischen Berufstätigkeit und Mutter- beziehungsweise Vaterschaft zu finden, ist für viele ÖsterreicherInnen eine Herausforderung.


Photo: Aaron Burden

Typen der Großelternschaft


Fernab von Kindergärten und Kitas, sind es in Österreich nun eben vor allem die Großeltern, die beim Aufpassen und Erziehen der Kinder mitwirken. Konflikte sind dabei vorprogrammiert: Die beliebtesten Beispiele für Unstimmigkeiten in Erziehungsfragen sind dabei wahrscheinlich Süßigkeiten- und Fernsehkonsum oder auch das Vermitteln von bestimmten Werten. Dabei kristallisieren sich für viele Eltern zwei Typen der Großelternschaft heraus, die sich grob in „zu viel Verwöhnen“ oder „zu viel Erziehung“ kategorisieren lassen. Beim ersteren steht der Umgang mit den EnkelInnen unter dem Motto: „Eltern müssen erziehen, Großeltern dürfen verhätscheln“. Das von den Eltern auferlegte Fernsehverbot wird vom Großvater ignoriert, der achte Schokoriegel von der Großmutter auch noch genehmigt. Irgendwie verständlich, dass derartige Dinge die Eltern zur Weißglut bringen können.


Das andere Extrem sind Großeltern, welche sich mit dem Erziehungsstil ihrer Kinder nicht identifizieren können und sich darüber hinwegsetzen. Bekommt das Kind zum zehnten Geburtstag vom Papa ein Smartphone geschenkt, hört man den Großvater schon rufen: „Viel zu früh dafür! Wir sind damals auch gut ohne diese Dinger zurechtgekommen.“ Dass die Entscheidung, dem Kind ein Handy anzuvertrauen, von den Eltern wohlüberlegt war, wird durch derartige Aussagen in Frage gestellt und dadurch auch ihre Erziehung kritisiert.


Photo: Ben Wicks

Das klärende Gespräch suchen


Wie kann man den Konflikt zwischen Eltern und Großeltern nun am besten lösen? Die diplomierte Sozialpädagogin M. Fuchs sieht dabei das lösende Gespräch als zentral: "Die meisten Eltern ärgern sich manchmal insgeheim über die Erziehungsmaßnahmen der Großeltern, sagen aber nichts, um sie nicht zu verletzen oder da sie auf ihre Hilfe angewiesen sind. Ein klärendes Gespräch kann dabei jedoch viel bewirken. Bleiben Sie ruhig und versuchen Sie Ihren Eltern freundlich und nachvollziehbar zu erklären, was Sie genau stört und was Sie sich wünschen."


Photo: Ben White

Prinzipiell kann festgehalten werden, dass die Eltern grundlegende Entscheidungen über die Erziehung ihrer Kinder treffen, der gut gemeinte Rat der Mutter manchmal aber auch Vorteile mit sich bringt. Erziehungstipps sollten daher nicht von vornherein abgelehnt, sondern auch andere Sichtweisen überdacht werden. Gerade frischgebackene Eltern können von anderen Generationen lernen und die wertvolle Erfahrung anderer zu ihren Gunsten nutzen. Auch Großeltern sollten sich bei der Nase nehmen. Gut gemeint ist nicht immer auch gut. Das Kind darf ab und zu verhätschelt werden, doch wichtig ist, die Grenzen nicht weiter auszudehnen oder gar zu überschreiten. Die Eltern entscheiden schlussendlich über die Erziehung der Kleinen und Großeltern haben dies zu akzeptieren. "Jede Partei sollte versuchen, Empathie an den Tag zu legen und die Argumente des Anderen zu reflektieren.", meint die diplomierte Sozialpädagogin. Dadurch könne Raum für gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz geschaffen werden.


Und wenn das Kind dann bei der Oma doch mal eine Stunde länger aufbleiben darf, kann man mal ein Auge zudrücken. Denn ganz ehrlich, bei uns war es nicht anders und wir sind auch toll geworden.

Links

Statistik Austria I Vereinbarkeit von Beruf und Familie

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