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Die Liebe und der Rollstuhl

Körperliche Liebe mit Handicap

von Lidija Ljubic


Als körperbehinderte Frau, weiß ich genau, wie schwer es ist, jemanden zu haben, der einen trotz Beeinträchtigung liebt. In meiner Teenager-Zeit war ich furchtbar verliebt in den schönsten Jungen der Klasse. Als ich meinen ganzen Mut zusammengenommen habe und ihm gestanden habe, dass ich ihn liebe, hat er mich ausgelacht. Da wurden mir die Augen geöffnet. Ein gesunder Mann sucht sich für gewöhnlich, eine attraktive Partnerin. Das ist nicht seine Schuld, es ist nun mal so. Es ist sein Trieb.


Für Menschen, die noch nie mit einer/m PartnerIn zusammen waren, gibt es den Weg der Sexualbegleitung. Das hört sich jetzt komisch an, auch für mich. Als ich meine Scheu abgelegt habe und mich damit befasst habe, stellte sich heraus, dass es gewiss seine Notwendigkeit hat.


Photo: Yomex Owo

Projekt "Libida Sexualbegleitung"


In Österreich gab es die "Libida Sexualbegleitung", ein Projekt der "alpha nova BetriebsgesmbH", das jedoch leider eingestellt wurde. Auch die Website des Projekts ist mittlerweile offline. Die Projekt-BegleiterInnen hatten eine spezielle Ausbildung. Nicht jedeR Prostituierte kann nun mal mit einem Menschen im Rollstuhl etwas anfangen. Doch was taten diese BegleiterInnen? Sie streichelten, berührten, massierten und gaben den KlientenInnen das Gefühl, begehrenswert zu sein. Dies hatte Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl und dies ist gewiss ein Menschenrecht.


Photo: Charles Deluvio

Unterstehen nun dem Prostitutionsgesetz


Nur orale Zuwendungen, waren von diesen DienstleisterInnen nicht zu erwarten. Leider ist diese Ausbildung in Wien seit Ende 2018 nicht mehr subventioniert und diese SexualbegleiterInnen unterstehen jetzt dem Prostitutionsgesetz. Aus diesem Grund haben viele der Praktizierenden aufgehört, dies weiter zu verfolgen. Die Betroffenen sind oft nicht in der Lage, weitere finanzielle Aufwendungen für ihr Sexualleben auszugeben und müssen auf diese Leistung verzichten.


Im Moment, gibt es ganze sechs ausgebildete SexualbegleiterInnen in ganz Österreich und die Meisten davon sind in und um Graz ansässig. Ich habe ein bisschen in meinem Freundeskreis über dieses Thema diskutiert und habe zu Recherchezwecken mit behinderten Paaren auf (Achtung, Anm. Red.!) Facebook kommuniziert und gefragt was sie für Hilfe in Anspruch nehmen. Die meiste Assistenz, die benötigt wird, liegt darin die SexpartnerInnen aus dem Rollstuhl in das Bett zu platzieren. Das erledigt die persönliche Assistenz. Auch ich lebe mit persönlicher Assistenz. Das bedeutet, dass eine Person für mich arbeitet und mir bei allen Handgriffen, die ich so benötige, assistiert.


Photo: AbsolutVision

Andere tuscheln, wenn wir uns küssen


Ein anderes Paar berichtete mir, dass es ihnen besonders auffällt, wenn ihnen Leute auf der Straße besonders hinterher schauen, sie angaffen und augenscheinlich über sie tuscheln, wenn sie sich küssen. Das ist mir auch schon oft passiert, aber ich habe schon ein dickes Fell und aus diesem Grund macht es mir nichts aus. Ein besonders liebes Statement hat mir Tim (Anm. Red., Namen geändert) über seine Liebste gegeben: "Ich liebe meine Sophie, sie ist meine Prinzessin. Sie ist ein Traum, welcher in jedem Aspekt, dem geistigen, emotionalen und sexuellen, absolut perfekt für mich ist..".

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