• nova

Die Dosis macht das Gift!

Smartphone-Auswirkungen auf die Identität

von Leon Protz


Im Beruf, in den Öffis, vor allem im eigenen Wohnzimmer beherrscht durchgehend ein bestimmtes Gerät das alltägliche Leben: Das Smartphone. Vom Pensionisten bis hin zum Volksschüler ist der alltägliche Umgang mit diesem kleinen Computer zur Selbstverständlichkeit geworden. Laut des Mobile Communication Reports nutzten im Jahr 2018 rund 96% aller Österreicherinnen und Österreicher unter 69 Jahren ein Smartphone, wobei sich dabei die durchschnittliche Nutzungsdauer auf drei bis vier Stunden am Tag belief.


Ein großer Teil der am Handy verbrachten Zeit wird dabei auf Social-Media-Websiten oder Apps verbracht. Das Posten von eigenen Fotos oder Beiträgen ist für die meisten Menschen ein wichtiger Bestandteil der Nutzungserfahrung und dient insbesondere zur Präsentation der eigenen Person im Internet. Ob gewollt oder nicht ist mit dem Teilen von Content auch immer eine gewisse selbstdarstellerische Komponente verbunden.


Photo: Persnickety Prints

Entwicklung der Identitätsbildung von klein auf


Nun sind Kinder und Jugendliche schon früh auf besagten Plattformen angemeldet und interagieren online über verschiedenste Kanäle. Ob Facebook, Instagram oder Snapchat, wird schon im Kindesalter überlegt, welchen Eindruck das Geteilte auf den potentiellen Betrachter hat. Doch ist eine solche virtuelle Identitätsbildung gesund für die Entwicklung eines Kindes oder Jugendlichen?


Vorerst müssen wir uns im Klaren über die Intention eines postenden Users sein. Zum einen spielt sicherlich das nach Außentragen der eigenen Persönlichkeit sowie des eigenen Lifestyles eine große Rolle. Ein interessantes Profil wird somit auch in der Offline-Welt mit der dahinterstehenden Person assoziiert und daher ist die Fähigkeit sich selbst zu vermarkten, eine sehr wichtige geworden.


„Likes, um sich akzeptiert zu fühlen“


Die Anerkennung anderer User, ob im realen Leben mit der teilenden Person befreundet oder nicht, steht dabei im Vordergrund. „Für Jugendliche ist die Meinung der Peers besonders wichtig, um ihre eigene Identität zu finden und zu entwickeln. Likes sind dabei ein Indikator, ob sie so akzeptiert werden“, sagt Medienpsychologin Emily Konijn dazu.


Photo: Autri Taheri

Ein Like oder ein netter Kommentar sind Gesten, die nicht aufwendig, aber in ihrer Wirkung sehr bekräftigend sein können. So verhält es sich jedoch auch mit dem Gegenteil: Kritik oder wenige Likes können wiederum auch sehr schnell zu einem mangelnden Selbstwertgefühl führen. Pauschalisierend kann gesagt werden, dass auf Dauer durch diese Form der Online-Profilierung ein ungesundes Konkurrenzverhalten entsteht.


Doch kann von einem latenten Druck, der auch negative langzeitliche Auswirkungen auf die Psyche hat, gesprochen werden? Und welche Auswirkungen hat das auf die eigene Identität?

Um diese Frage beantworten zu können, ist es wichtig den Begriff „Identität“ genauer unter die Lupe zu nehmen. Diese Begrifflichkeit findet ihren Eingang in vielen Wissenschaften und wird demnach auch verschieden ausgelegt. Für unsere Verwendung bedienen wir uns der psychologischen Auslegung des Wortes, da unsere Frage am ehesten den Zustand und die Veränderung der menschlichen Psyche behandelt.


Laut Duden ist die Definition von „Identität“ für diesen Wissensbereich als „selbst erlebte innere Einheit der Person“ beschrieben. Vereinfacht könnte man sagen, dass unsere Fragestellung auf die Folgen der Veränderung des Selbstbildes durch Social-Media abzielt.


Schmaler Grad zwischen „Body-Wahn“ und „Body Positivity“


In der Studie der Royal Society of Public Health mit dem Namen „Status of mind“ wurden 16 bis 24-jährige Social-Media Nutzer über positive und negative Folgen von Sozialen Netzwerken befragt. Es ergab sich, dass Jugendliche, die durchschnittlich mehr als zwei Stunden auf Facebook, Twitter und Co. verbrachten, häufiger depressive Verstimmungen zeigten. Dies soll an einem zwanghaften Vergleich des Content-Konsumenten mit dem Produzenten liegen.


Photo: Clem Onojeghuo

Ein Freund zeigt sich glücklich am Strand auf Ibiza und man selbst ist in Arbeit und in persönliche Verpflichtungen eingebunden. Ein anderes Beispiel dafür dürfte auch der Vergleich des eigenen Körpers mit dem des Lieblings-Instagram-Models darstellen. Dabei ist die Gratwanderung zwischen Schönheitswahn und „Body Positivity“ ein schmaler Pfad.


Social Media als Motivation


Ebenso viele positive Aspekte wurden hervorgehoben. Für viele sei Social Media eine wichtige Hilfe bei der Bildung der eigenen Identität. Es ermuntere dazu, neue Sachen ausprobieren zu wollen. Vielleicht wird ja aus dem Nachkochen eines Instagram-Rezeptes auf Dauer eine richtige Leidenschaft? Aus den Highlights der NBA eine Liebe zum Basketballspielen? Weiters führt die Studie an, dass der Online-Kontakt zu Freunden bei der Bewältigung von Problemen und schwieriger Phasen eine wichtige Hilfe sein könne.

Mit Social Media verhält es sich wohl wie mit vielen anderen Dingen im Leben: Die Dosis macht das Gift! Ein moderater Konsum ist also nicht nur bei Fernsehen oder Videospielen anzuraten, sondern auch bei Sozialen Netzwerken.


Photo: Jonathan Kemper

Facebook und Instagram haben nun auch schon Funktionen in ihren eigenen Apps eingerichtet, die der Kontrolle der eigenen Nutzungsdauer dienen sollen. Dies gibt Aufschluss über die täglich in der App verbrachte Zeit. Außerdem kann man sich ab dem Erreichen eines bestimmten eigens festgelegten Nutzungsmaximums mittels Push-Benachrichtigung erinnern lassen, dass das tägliche Zeitkontingent erreicht ist.


Eine schnelle Reaktion auf diese Kontroverse, ob nun politisch-wirtschaftlich motiviert oder aus der Eigeninitiative der Social-Media-Leitung, ist eine wichtige und gute Entwicklung in der Regelung eines gesunden Umganges mit einem so schnell wachsenden Medium.


Aufklärung und Bildung ist hier, wie bei allen neuen Themen, der richtige Weg. Informationen, welche Heranwachsenden den richtigen Umgang mit den sozialen Netzwerken beibringen, sollten daher auch Eingang in den Schulunterricht finden. Durch diese ganz neue Welt eröffnen sich auch viele Forschungsmöglichkeiten für Psychologen und Soziologen. Ein gewisses Defizit in Sachen Aufklärung bezüglich den meisten mit dem Internet verbundenen Fortschritten und Technologien müssen wir uns jedoch eingestehen. Mit den richtigen Mitteln kann und wird ein allgemeiner verantwortungsvoller Umgang mit diesem neuen Medium geschaffen werden. Vielleicht reden wir ja bald von einer gesunden Netzidentität? Wer weiß.

Links:

ORF Science - Warum Teenager auf Social Media abfahren

Klaus Grawe-Institut - Der Einfluss sozialer Medien auf die psychische Gesundheit

atms Kundendialog - So intensiv nutzen die Österreicher ihr Smartphone 2018

  • Facebook
  • Instagram
Jetzt kostenlos und unverbindlich registrieren!
 
nov@-Member werden und Einladungen zu Events, exklusiven Infos uvm. erhalten!