• nova

Die Barbie mit Handicap ist da!

Mehr Diversität fürs Kinderzimmer


Lidija Ljubic

#FEATURE #KÖRPER


Die bekannteste Puppe der Welt wurde 1959 von Ruth und Elliot Händler in den USA erschaffen. Sie trägt den Namen ihrer Tochter Barbara, was zu "Barbie" abgekürzt wurde. Sie bediente schon viele Klischees in ihrem Leben: Sie ist weiß, blond und blauäugig. Und böse Zungen würden behaupten, sie sei magersüchtig, kaufsüchtig und oberflächlich.


Photo: Xinyi Song

2005 ließ Barbie über ihre Pressestelle verkünden, dass Ken sie verlassen hatte, was die Illusion einer perfekten Ehe zerstörte, die das Paar bis dahin zu führen schien. 2016 änderte der Hersteller ihre Konfektionsgröße auf 36 - eine laut "Die Presse" unglücklich gewählte Wespentaille, in der möglicherweise nur wenige Organe Platz gefunden hätten (Ausgabe vom 09.03.2019). Kaum zu glauben, dass Barbie letztes Jahr ihren 60. Geburtstag gefeiert hat. Obwohl sie sich in diesen langen Jahren keine einzige Falte zugezogen hat, konnte sie sich dennoch emanzipieren. Barbie hat studiert und ist Tierärztin, Kinderärztin, Rechtsanwältin, Ingenieurin und ich weiß nicht, was noch alles, geworden.


Barrierefrei


Photo: Yomex Owo

In meiner Kindheit war ich öfter verzweifelt aufgrund meiner Erkrankung. Ein gutes Beispiel dafür ist, wie ich zusehen musste, wenn meine Freundinnen auf ein Klettergerüst stiegen und ich nur unten stehen bleiben konnte. Vor allem in solchen Situationen wurde mir immer deutlich vor Augen geführt, dass ich anders bin und auf eine gewisse Weise immer ausgeschlossen sein werde. Doch mit Barbiepuppen konnten wir wieder zusammen spielen. Mit größeren Puppen konnte ich nicht spielen, da diese viel zu schwer für mich waren. Ich hatte ein schönes Barbie-Traumhaus und so kamen mich meine Freundinnen besuchen. Wir zogen unsere Puppen schön an und organisierten und Teepartys für die Barbies organisiert.


Schon damals habe ich mir eine Barbie gewünscht, die so ist wie ich. Doch ich war eben nicht "der Standard" und auch das hat mir gezeigt, wie verschieden ich bin. In dieser Zeit hat sich mein Selbstwertgefühl gestärkt. Ich hatte nur zwei Möglichkeiten: Entweder, ich ziehe mich in ein Schneckenhaus zurück und bleibe auf ewig in einer Opferrolle. Oder ich stehe über den Dingen. Schnell habe ich beschlossen, zu lernen, damit umzugehen und einfach eine dicke Schutzmauer um mich herum aufzubauen, um mich nicht von Kleinigkeiten unterkriegen zu lassen. Bei mir war die Resilienz besonders stark ausgeprägt, wie man an meinem gegenwärtigen Zustand deutlich sehen kann.


Hoffnung und Inspiration

Photo: Anna Kolosyuk

So oder so ähnlich dachte nun auch die bekannte Spielzeugfirma, die zu ihrem 60. Jubiläumsjahr eine ganz spezielle Edition an Puppen auf den Markt bringen wollte. Seit 15. Juni 2019 verkauft der Konzern "Mattel" seine neue Serie an trendigen Barbies auf Amazon Deutschland. Sie sollen Mädchen auf der ganzen Welt inspirieren, ihre Kreativität auszuleben und von ihrer Zukunft zu träumen, in der alles möglich ist und es keine Grenzen oder Schranken gibt. Neu sind eine Astronautin, eine Feuerwehrfrau, eine Barbie mit Vitiligo (Pigmentstörung), eine mit Beinprothese und schlussendlich die Barbie, die im Rollstuhl sitzt und mit einer tragbaren Rampe daherkommt, um über jedes Hindernis rollen zu können. Bereits 1997 gab es eine Barbie im Rollstuhl, die allerdings wieder eingestellt wurde. Jetzt ist sie wieder zurück. Es ist ein wichtiger Schritt, dass sich auch behinderte Mädchen und all jene, die nicht dem genormten Schönheitsideal entsprechen, repräsentiert fühlen.

Der kindlichen Fantasie sollen keine Grenzen gesetzt werden und so nahm die Diversität auch im Kinderzimmer ihren Lauf. Dieser Gedanke entspricht unserem Zeitgeist, in dem alles, selbst der mögliche Weltfrieden, in greifbarer Nähe liegt. Zumindest die junge Generation von Mädchen und Jungen soll sich in dieser Hinsicht frei entwickeln können, ohne dabei körperliche Ideale im Kopf zu haben.

Als meine Nichte, die vier Jahre alt ist, mich besuchen kam und ich ihr meine neue Errungenschaft, die gehandicapte Barbie, vorstellte, sah sie ganz verdutzt drein und sagte: "Wow, die sieht genauso aus wie du, Tante.“ Ich war ganz entzückt, dass dieses junge Kind so einen treffenden Vergleich anstellen konnte.


  • Facebook
  • Instagram
Jetzt kostenlos und unverbindlich registrieren!
nov@-Member werden 
Einladungen zu Events, exklusiven Infos uvm.