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Depression: Wenn der schlechte Tag nicht enden will

Die Nummer Eins der Volkskrankheiten

Tanja Bühringer

#FEATURE #GESUNDHEIT


Das heutige Leben gleicht immer mehr einem Wettbewerb: der/die Schönste, Klügste zu sein, der oder die mit den meisten Followern, dem bestbezahltesten Job oder dem exotischsten Urlaub. Die Wahrheit, wie es um das eigene Dasein steht, interessiert schon lange nicht mehr. Rückschläge oder Krankheiten werden als Gesprächsthemen vermieden, kann damit beim Gegenüber schließlich nicht gepunktet werden.


Auf halber Strecke zum scheinbar perfekten Vorzeigeleben vergessen wir nicht selten jene Dinge, die uns wirklich wichtig sind und die uns Freude bereiten. Gefangen im Teufelskreis zwischen der Realität und den unerfüllten Träumen und Hoffnungen, wächst der Druck der eigenen Perfektion stetig.



Photo: Aliyah Jamous

400.000 depressive Österreicher/innen


„Nach der Scheidung von meinem Mann fing ich an, mich zu fragen, warum er mich verlassen hatte. War ich nicht schön, jung oder intelligent genug? Hatte ich einen schlechten Humor oder war es letztlich doch mein Übergewicht, das ihn vertrieb? Ich zog mich immer mehr zurück, reduzierte meine sozialen Kontakte auf ein Minimum. Ich dachte, ich sei es nicht wert, Freunde zu haben.“


Melanie K.* litt nach der Trennung von ihrem Mann an einer Depression. Die typischen Symptome der Krankheit - ein reduzierter Selbstwert, soziale Isoliertheit oder generelle Interessensverluste - verschonten auch sie nicht. Doch ist sie damit nicht allein. Weltweit sind circa 350 Millionen Menschen von einer Depression betroffen, alleine in Österreich sind es geschätzt 400.000.


Umso erschreckender ist die Tatsache, dass das Ersterkrankungsalter im Durchschnitt zwischen 15 und 29 Jahren liegt. Gerade Jugendliche leiden häufig unter depressiven Phasen: Sie haben sich selbst noch nicht gefunden, wissen noch nicht genau, wer sie später einmal sein wollen und lassen sich auf ihrem Weg leicht von anderen beeinflussen. Vor allem die neuen Medien entpuppen sich durch Beiträge von Traumkörpern, Luxuslifestyles und dem scheinbar perfekten Leben als Falle. Kann der Durchschnittsteenager damit nicht mithalten, fühlt er oder sie sich mit sich selbst unzufriedenen und weist häufig einen verminderten Selbstwert auf. Doch auch im Erwachsenenalter kann es durch Schicksalsschläge, wie einer Scheidung, dem Tod eines Freundes oder beruflichen Schwierigkeiten, zu einer Depression kommen.



Photo: Nik Shuliahin

Eine Frage der Definition


Dabei stellt sich nun die Frage, was genau eine Depression überhaupt ist. Jeder und jede von uns ist ab und zu schlecht gelaunt, betrübt und ausgelaugt, doch spricht man in diesen Fällen nicht von einer Depression im eigentlichen Sinn. Laut dem ICD-10, dem internationalen Klassifikationssystem für Krankheiten, erweisen sich Niedergeschlagenheit, Interessensverlust und Antriebsverminderung, als die Leitsymptome der Krankheit. Sind diese über mindestens zwei Wochen konstant und in ausgeprägter Form vorhanden, so spricht man von einer Depression. Doch auch Schlafstörungen, Suizidgedanken oder ein vermindertes Selbstwertgefühl stellen Diagnosekriterien dar.

„Das Schlimmste an meiner Krankheit ist, dass man nie genau weiß, wann sie wieder zuschlägt. An einem Tag bin ich gut gelaunt, spiele mit meiner Nichte oder gehe laufen. Doch schon am nächsten würde ich mein Bett am liebsten nicht mehr verlassen, bin niedergeschlagen und fühle mich völlig leer. Mein Leben, einfach alles, scheint dann unfassbar sinnlos und unbedeutend.“

Zu eigentlichen Krankheit hinzu kommt die Tatsache, dass das Thema Depression in unserer Gesellschaft immer noch mit vielen Tabus zu kämpfen hat und oftmals mit Stigmatisierungen behaftet ist. Dadurch wird die Problemlage der Betroffenen zusätzlich erschwert und Versuche, über die eigene Krankheit zu sprechen, scheitern.



Photo: Dylan McLeod

Der richtige Umgang als Schlüssel


Für Betroffene ist es wichtig, ihre Sorgen und Ängste mit anderen zu teilen und sich zu öffnen. Gleichzeitig müssen wir auf der anderen Seite versuchen, uns mehr zuzuhören, die Probleme der Anderen wahrzunehmen und ihnen Beachtung zu schenken. Der erste Schritt, um das Wissen über Depressionen in unserer Gesellschaft besser zu verankern, ist offen darüber zu sprechen. Zwar mag es nicht immer einfach sein, sich selbst einzugestehen, dass man Hilfe braucht, doch ist dies der erste Schritt im Heilungsprozess.


Solltest du selbst Hilfe benötigen, rede mit Bekannten, Freunden und deiner Familie und erzähle ihnen, was dich gerade bewegt. Auch Hilfe bei Psychologen/innen, Psychotherapeuten/innen oder Psychiatern/innen zu suchen ist völlig in Ordnung und nichts, wofür man sich schämen müsste. Für mehr Informationen zur Thematik sind unten einige wichtige Internetseiten aufgelistet. Depressionen können jeden und jede von uns betreffen. Sehen wir nicht länger weg, sondern sehen wir unseren Problemen ins Auge!


*Name von der Redaktion geändert

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Weitere Informationen zu Depressionen I Anlaufstellen, Krankheitsbild, Diagnose, Therapie Online

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