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Das PA-Syndrom bei Trennungskindern

Wenn Eltern ihre Kinder manipulieren

Sandra Krajco-Riemer

#FEATURE #ERZIEHUNG

Wenn Eltern sich scheiden lassen, ist es für das Kind oft ein Weltuntergang. Wenn ein Elternteil sein Kind dann auch noch vollkommen in Besitz nimmt und es womöglich als Waffe gegen das andere Elternteil verwendet, um die Beziehung zu diesem zu zerstören, dann findet psychischer Missbrauch des Kindes statt.


Diese Verhaltensweise ist eine aggressive Strategie, in der das Kind emotional missbraucht wird, um den Kontakt zum anderen Elternteil abzubrechen. Damit ist die Beeinflussung des Kindeswillen gemeint, die durch krankhafte Hetze gegen den/die Ex-PartnerIn eingesetzt wird. Das Parental Alienation Syndrom, auch elterliches Entfremdungssyndrom genannt, wurde vom amerikanischen Kinderpsychologen Richard A. Gardner 1985 formuliert. Gardner schätzt, dass das Syndrom in etwa 90 Prozent aller Sorgerechtsfälle auftritt und vorwiegend von Müttern eingesetzt wird, wenn gegen den ehemaligen Partner um das Kind gekämpft wird. Meist ist der entfremdende Elternteil der, bei dem das Kind lebt. Von diesem Elternteil wird das Kind manipuliert bis hin zu dem Zustand, dass es den Ex-Partner bzw. Vater nicht mehr sehen möchte.


Photo: Fredrik Öhlander

Das Dilemma beginnt mit einem Loyalitätskonflikt


Die Trennung der Eltern ist für ein Kind ein tragisches Ereignis. Es weiß, dass es Mama und Papa hat, die sich nicht mehr lieben und gerät dadurch in einen Loyalitätskonflikt. Das Kind weiß nicht, ob es selbst beide gleich lieben darf. Verantwortungsvolle Eltern vermitteln ihrem Kind in der Trennungssituation, dass die Liebe gegenüber dem Kind eine andere ist, und es beide Elternteile gleich lieben darf. Wird der kindliche Loyalitätskonflikt aber von einem Elternteil missbraucht, um den/die Ex-PartnerIn abzulehnen, spricht man von PAS.


Durch Manipulation wird dem Kind vermittelt, dass es die ablehnenden Gefühle zu den ehemaligen PartnerInnen teilen muss. Diese Erwartung nimmt das Kind wahr und fürchtet von dem erziehenden Elternteil nicht mehr geliebt und versorgt zu werden, wenn es den anderen Teil immer noch liebt. Es fühlt sich illoyal und verleugnet seine eigenen Gefühle. Der verzweifelte Nachwuchs kämpft ums Überleben, indem es die Indoktrination des entfremdenden Elternteils lebt.


Photo: Kat J

Eine wahre Geschichte!


Das Trennungskind Kevin erzählt in einem Blog über seine Erlebnisse und Erinnerungen. Er möchte den „entsorgten“ Vätern und Müttern Mut machen. „Egal was euer Kind getan, geschrieben oder gesagt hat, das Geschehene passierte mittels Fernsteuerung durch den entfremdenden Elternteil oder ist ein Hilfeschrei“, sagt Kevin, der jahrelang Opfer einer entfremdenden Mutter war.


Alles begann mit der Scheidung seiner Eltern. Der Vater verließ das gemeinsame Haus und Kevin sollte sich entscheiden bei wem er in Zukunft leben wolle. Damit begann der Spuk der Manipulation: „Ein Kind geht immer zu seiner Mutter!“, „bei deinem Vater ist das schöne Leben vorbei“, „dein Vater ist ein Lügner“, „ich dachte du hast deine Mama lieb“.


Schimpftiraden in Richtung des Vaters waren der Alltag. Als Sechsjähriger glaubte Kevin seiner Mutter und fühlte sich erbärmlich und schlecht, wenn er mit seinem Vater einen schönen Tag verbrachte und dabei auch noch glücklich war. Das Verhör nach dem Besuch beim Vater war eine Qual. Kevin fühlte sich wie gelähmt und hasste sich dafür, dass er den Beschimpfungen der Mutter nichts entgegensetzen konnte, obwohl er ein großes Bedürfnis hatte. Seine Mutter schaffte es, ihn so zu beeinflussen, dass Kevin vor einer Psychologin aussagte, dass er Angst vor seinem Vater habe, dass dieser nur herumschreie und, dass er ein böser Mensch sei. Die Folge war eine einstweilige Verfügung und Kevin sah seinen Vater die nächsten sieben Jahre nicht mehr. Nach vielen Jahren kehrte sich die Situation um. Kevin suchte Kontakt zu seinem Vater. Den Kontakt zu seiner Mutter hat er vollkommen abgebrochen. Trotz der Wendung zum Guten spüren Kevin und sein Vater die Nachwirkungen der vielen Jahre der Manipulation seitens der Mutter bis heute.

Photo: Nick Wilkes

Ängste, Depressionen und Suizidgedanken sind die Folgen

PAS ist in der Wissenschaft zutiefst umstritten, jedoch ist es in Amerika längst anerkannt.

Hier fehlen immer noch die gesetzlichen Grundlagen, um in Fällen des emotionalen Missbrauchs intervenieren zu können. PAS hat als Kindeswohlgefährdung noch keine Anerkennung, obwohl die Folgen dieser psychischen Belastung für das Kind und auch den entfremdeten Elternteil eindeutig sind.


Betroffene sprechen von einer langfristigen Beeinträchtigung der Psyche, von Albträumen, geistiger Abwesenheit, wenig Selbstvertrauen, sogar Suizidgedanken treten auf. Durch die starke Ablehnung eines Elternteils lehnt das Kind auch einen Teil von sich selbst ab. Das hat schwerwiegende Folgen für seine Psyche.


Ob PAS nun wissenschaftlich anerkannt ist oder nicht, die psychischen Grausamkeiten, die Eltern ihren Kindern bewusst oder sogar unbewusst antun, sind in keinem Fall tolerierbar. Betreibt ein Elternteil Hetze gegen den/die Ex-PartnerIn, manipuliert das Kind und unterzieht das in der Obhut stehende einer Gehirnwäsche, so findet psychischer Missbrauch statt. Verleumdung, Rufschädigung und üble Nachrede sind Straftaten. Den Ämtern und Sozialbehörden und auch den PsychologInnen ist das klar, dennoch wird in der Regel gegen den entfremdeten Elternteil entschieden.


































































































































































































































































































































































































































































































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