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Das kleine Fenster zur Welt

Das Smartphone und seine Auswirkungen auf den Alltag und die Freizeitgestaltung

von Lea Weinberg


Soziale Kontakte pflegen, Meditieren, Sport machen – was vor nicht allzu langer Zeit noch bildschirmfreie Aktivitäten waren, ist heute mit einem Gerät kombinierbar: Dem Smartphone. Wir können Podcasts hören und gleichzeitig eine Runde joggen gehen. Wir können mit all unseren Freunden chatten, während wir mit einem Freund essen gehen. Die Möglichkeit alles gleichzeitig zu machen, hat jedoch auch Suchtpotential.


Laut einer repräsentativen Studie des Mobile Communications Report aus dem Jahr 2018 ist der Anteil der Smartphone-Besitzer in Österreich weiter gestiegen. Rund 96 Prozent der Österreicher und Österreicherinnen bis 69 Jahre nutzen ein Smartphone. Für die Studie wurden 1001 österreichische Internet-Nutzer zwischen 15 und 69 Jahren im Frühjahr und Sommer 2018 befragt.


Photo: Freestocks

Vor allem in Wien wird das Smartphone laut der Studie, die von MMA Austria und MindTake Research jährlich publiziert wird, besonders viel genutzt. Die Wiener schauen täglich 3,7 Stunden auf ihr Smartphone. Dagegen sind es in Salzburg oder Vorarlberg 2,8 Stunden pro Tag. Die durchschnittliche tägliche Handynutzung eines Österreichers beträgt drei bis vier Stunden.


WhatsApp weiter an der Spitze


Dass das Smartphone die Freizeit der Nutzer nicht nur begleitet, sondern auch bestimmen kann, belegt die große Anzahl an Freizeit Apps. Durchschnittlich 27,5 Apps sind laut dem Mobile Communications Report auf einem österreichischen Handy installiert. An der Spitze der Downloads steht seit langem der Instant Messenger Dienst WhatsApp. Doch es gibt für fast jedes Bedürfnis eine spezielle App.


Wer Hunger hat, dem geben Ausliefer-Services eine große Auswahl an verschiedenen Restaurants, bei denen man Essen nach Hause bestellen kann. Mit dem Smartphone ist es ebenso unkompliziert ein nahegelegenes Restaurant zu finden. Und wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, kann durch eine App schnell vegetarische und vegane Restaurants und Geschäfte in der Nähe finden.


Photo: Bruce Mars

Begleitung durch den ganzen Alltag


Auch der öffentliche Transport in Wien kann komplett durch Apps geplant werden. So helfen beispielsweise Apps der Stadt Wien oder der ÖBB bei der Fahrplanauskunft und Routenplanung. Der Ticketkauf findet durch die Ticketapp der Wiener Linien inzwischen auch auf dem Smartphone statt. Wer ungern die Öffis nimmt oder an einem Montagabend einfach keine U-Bahn mehr fährt, dem hilft ein internetfähiges Smartphone dabei, Taxis zu bestellen, oder die nächstgelegene Bikesharing Station zu finden.


Ist der Hunger gestillt und das passende Fortbewegungsmittel via App organisiert, der scrollt vielleicht einmal durch Instagram oder Facebook und plant nebenbei die Freizeit. Sportlich bleiben kann man mit Apps, die fast einen Fitnesscoach ersetzen und das Laufverhalten analysieren. Auch bei der Abendgestaltung ist das Smartphone inzwischen eine große Hilfe, um passende Partys und Kulturveranstaltungen zu finden. Und wer weiß, vielleicht findet man auf einer Dating-App noch eine passende Begleitung für den Tag, wenn auf WhatsApp gerade niemand antwortet.


Photo: Banter Snaps

Nicht auf das Handy verzichten


Trotz der umfangreichen Angebote an Apps geht aus dem Mobile Communications Report hervor, dass die meistgenutzte Smartphone Funktion unangefochten das Telefonieren ist. Diese ursprüngliche Funktion des Smartphones ist gefolgt vom Fotografieren mit dem Smartphone auf Platz zwei, dem Instant Messaging auf Platz drei, das Surfen im Internet, E-Mails und schließlich mit der Weckfunktion auf Platz 6 der meistgenutzten Funktionen.


Das fast allumfassende Multifunktionstool Smartphone ist dementsprechend fest im Alltag verankert. Neun Prozent der Studienteilnehmer wollen ihr Smartphone nicht mehr missen. Nur ein knappes Drittel der Studienteilnehmer könnten einige Tage auf ihr Handy verzichten. Die Nutzung des eigenen Handys beginnt, laut der Studie, bereits früh am Tag.


Direkt nach dem Aufwachen


29 Prozent der österreichischen Smartphone Besitzer scrollen direkt nach dem Aufwachen im Bett, 42 Prozent nach dem Aufstehen. Primär werden morgens von 43 Prozent der Nutzer SMS und WhatsApp Nachrichten gelesen, 30 Prozent checken ihre E-Mails, 22 Prozent scrollen sich durch etwaige Social Media-Kanäle.


Das Einbinden des Smartphones in alle Bereiche des Alltags hat jedoch auch Suchtpotential. Hirnforscher haben herausgefunden, dass beim Posten und Chatten dieselben Wohlfühlregionen des Gehirns wie beim Essen oder Sex stimuliert werden. Ein Like auf das Instagram Foto wirkt wie eine Belohnung.


„Es war hungrig“, schreibt der US-amerikanische Autor und Wirtschaftsjournalist Nicholas Carr über die Beobachtung seines eigenen Gehirns. In seinem Buch „The Shallows“ beschreibt er die Auswirkungen des Internets auf das menschliche Denkvermögen. „Es verlangte, so gefüttert zu werden, wie das Internet es fütterte – und je mehr ich es fütterte, desto hungriger wurde es.“


Um gegen die mögliche Abhängigkeit der Nutzer von ihrem Smartphone anzukommen gibt es für iPhone-Besitzer und Android-9-Nutzer seit neuestem die Funktionen „Bildschirmzeit“ und „Digitales Wohlbefinden“. Diese Kontroll-Apps geben einen Überblick über die genutzten Anwendungen. Das Ziel ist es, ein Bewusstsein für den Smartphone Konsum zu schaffen und eine Möglichkeit der Selbstkontrolle zu bieten. Denn am Ende ist jeder Nutzer selbst verantwortlich, ob das Smartphone ein praktischer Begleiter im Alltag bleibt oder zu einem Suchtgegenstand wird.

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