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Corona und Maskenpflicht

Ist das Tragen einer Maske eine Barriere für Gehörlose?

Mine Çelik

#CULTURE #DIVERSITY #CORONA


Die Maskenpflicht ist eine wichtige Maßnahme, die von der Regierung in Österreich gesetzt wurde. Die Meinungen darüber und ihre momentane schrittweise Aufhebung sind geteilt. Seit ungefähr zwei Monaten müssen Menschen Masken tragen, wenn sie mit Öffis fahren oder in Restaurants gehen. Die Maßnahme ist vor allem für Gehörlose eine Barriere, weil sie dadurch nur noch schwer kommunizieren können.


Seit Wochen ist es Pflicht, Masken zu tragen, um eine Verbreitung von Corona einzudämmen. Während wir uns langsam an diese Maske gewöhnt haben, ist die Maskenpflicht vor allem für Gehörlose eine große Barriere im Alltag, da das Mundbild für die Kommunikation fehlt. Die meisten Menschen kennen sich mit der Gebärdensprache, die Gehörlose neben dem Lippenlesen verwenden, nicht gut aus. Vieles ist für uns entweder sehr neu oder wir haben nicht sehr viele Erfahrungen mit Gehörlosen gemacht. Wir holen den Gehörlosenverband Witaf vor den Vorhang, der sich für Gehörlose einsetzt. So auch Mag.a Eva Theresa Böhm, die seit vielen Jahren als Geschäftsführerin im Gehörlosenverband

Witaf arbeitet, sich für Gehörlose einsetzt neue Lösungen für sie entwickeln will, um ihnen die Kommunikation und damit das Leben in der Corona-Zeit leichter zu machen.


Photo: Pixpoetry

Das Tragen einer Maske erschwert die Kommunikation


Dass die Gebärdensprache eine eigenständige Sprache ist und eine eigenständige Grammatik hat, wissen viele nicht. Das erklärt Frau Mag.a Theresa Böhm: „In der Gebärdensprache gibt es mehrere Aspekte, die zur Vollständigkeit der Grammatik der Gebärdensprache beitragen. Das bedeutet zum Beispiel, dass Steigerungsformen nicht so wie im Deutschen durch eine Abänderung des Wortes selbst versehen werden, sondern durch Mimik und Gestik ausgedrückt werden. Sie sind hauptsächlich auch im Mundbereich und um den Mund herum zu sehen“, so Frau Böhm. Die Maskenpflicht ist für den Verein eine Barriere für Gehörlose, weil das Mundbild dadurch nicht gesehen wird. Somit ist die ganze Mimik und Gestik durch eine Maske abgedeckt. So wird etwa der Bedeutungsunterschied zwischen Begriffen wie "Metall" und "Silber" nur durch das Mundbild erkannt.


Photo: Anastasiia Chepinska

Unterschiedliche Gruppen von Gehörlosen


Für die eine Gruppe steht das Lippenlesen im Vordergrund. Für die andere Gruppe, die keine Gebärdensprache verwendet, ist wiederum das Lippenlesen essentiell. „Durch die Maske sieht man einerseits das Mundbild der Anderen nicht. Andererseits wird man durch das Tragen der Maske auch selbst noch schlechter verstanden“, so Frau Böhm.


Lösungsvorschläge entwickeln


Der Verband will für Gehörlose Notlösungen finden. Eine Idee ist das Tragen von Schutzvisieren, um das Mundbild zu sehen. Allerdings stellt das Schlagen gegen das Plexiglas, weil die Hände beim Gebärden verwendet werden, eine weitere Barriere dar. Eine andere Variante ist, dass eine Maske in der Mitte ausgeschnitten und dort ein transparentes Plastik eingenäht wird. So ist zumindest ein Teil des Mundbildes sichtbar. Jedoch sind beide Notlösungen für Witaf nicht optimal.


Photo: Engin Akyurt

Manfred Schütz, der als Stellvertretender Verbandsobmann im

Verein Witaf tätig ist, sieht ein Schutzvisier als eine gute Notlösung in Funktion des Mund-Nasen-Schutzes für Gehörlose. Er ist selbst gehörlos und für ihn ist die Maskenpflicht recht ungewohnt, wird jedoch auch für ihn langsam zum Alltag. „Das Schutzvisier ist eine Erleichterung für Gehörlose / Schwerhörige / Taube Menschen. Dazu gibt es allerdings noch zu wenige Erfahrungen. Denn man kommt mit den Händen beim Gebärden im Gesichtsbereich immer am Plexiglas an. Einige gewöhnen sich schneller daran, andere benötigen länger“, sagt Herr Schütz im nov@-Interview.


„Das Mundbild für die Kommunikation fehlt“


Zwischen der Gruppe der Menschen mit Hörbeeinträchtigung und Menschen, die gehörlos sind, muss unterschieden werden. Gehörlose Menschen brauchen das Mundbild, um ein vollwertiges Mimikbild zu erhalten. „Schwerhörige Personen brauchen es, um etwas von den Lippen abzulesen. Dass dies im besten Fall für nur etwa 30-40% möglich ist, wissen die wenigsten. Da das Mundbild für die Kommunikation fehlt, ist dies ein schwieriger Eingriff in das Leben und beeinflusst natürlich den Alltag“, so Schütz.


Photo: Gryffyn M

Live-Kommunikation


Die Situation für gehörlose Seniorinnen und Senioren ist schwierig. Der SeniorInnenklub, der sich im Witaf-Haus befindet, ist geschlossen. Gehörlose SeniorInnen haben oft keine technischen Alternativmöglichkeiten zur Live-Kommunikation. Der einzige Austausch ist seit Wochen nicht möglich. Für diese sind neue digitale Möglichkeiten nicht so leicht bedienbar, wie etwa für die jüngere Generation. „Viele wissen nicht, dass die deutsche Schriftsprache für Gehörlose aufgrund der abweichenden Grammatik häufig eine Barriere darstellt. In vielen Bereichen kann für junge Gehörlose durch die Möglichkeiten der Medien und des Internets Abhilfe geschaffen werden. Die Videokonferenzen und Videotelefonate können auf diversen Plattformen abgehalten werden“, so Schütz.


Sowohl Mag.a Eva Theresa Böhm, als auch Manfred Schütz empfehlen dennoch das Schutzvisier. Für Herrn Schütz stellte die Maskenpflicht für Gehörlose eine Barriere dar, die gerne im Supermarkt kommunizieren wollen. Er wünscht sich sehr, dass langsam alles wieder normal wird, wie früher: „Verbesserungen sind immer möglich, aber da ist man nach einer Krise immer schlauer.

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