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Chanukka

Bis die 8. Kerze brennt

Eva Rottensteiner

#FEATURE #SPIRITUALITÄT


Spoiler: Nicht alle Menschen in Österreich feiern Weihnachten. Was man an Chanukka feiert und was das jüdische Lichterfest mit fettigen Krapfen zu tun hat.


Egal ob man bei der Apotheke hinaus marschiert oder das Restgeld in der Bar entgegennimmt, irgendwer ruft einem sicher ein „frohe Weihnachten“ hinterher. Doch in vielen jüdischen Haushalten in Österreich und anderswo werden in diesen Tagen keine Christbäume angezündet und “Ihr Kinderlein kommet” vor der Krippe angestimmt, sondern die bereits achte Kerze der Chanukkia angezündet. Die Chanukkia ist ein neun-armiger Leuchter, der während dem 8-tägigen jüdischen Feiertag eine zentrale Rolle spielt und am Fensterbrett sichtbar aufgestellt wird. Jeden Abend trifft man sich zuhause im familiären Rahmen und zündet mithilfe der mittleren, neunten Kerze jeden Abend von links nach rechts eine weitere Kerze an, bis am achten Tag alle Kerzen der Chanukkia brennen. Dazu sagt man ein Dankes- und Segensspruch und im Anschluss wird gemeinsam gegessen, gesungen und gespielt.


Photo: Ben Ostrower

Worum geht’s bei Chanukka*h?


Das Chanukkafest findet jedes Jahr nach jüdischem Kalender am 25. Kislew statt und dauert acht Tage lang. Da sich der jüdische Kalender von dem gregorianischen unterscheidet, finden die Feiertage immer an einem anderen Datum zwischen Mitte November und Mitte Dezember statt. In diesem Jahr wird Chanukka von 22.-30.12. gefeiert. Anders als Yom Kippur oder Rosch ha-Schana ist es kein biblischer Feiertag sondern ein historischer. Anlass ist der Sieg der Juden über die Seleukiden im zweiten Jahrhundert vor der Zeit, welche den zweiten jüdischen Tempel besetzt und entweiht haben. Sie stellten ein Bild von Zeus in den Tempel und unterdrückten die jüdische Religion. Doch die Makkabäer, eine Gruppe militanter Juden konnten den Tempel zurückerobern und das jüdische Volk aus ihrer Unterwerfung befreien. Normalerweise sollte im Tempel immer ein Licht brennen, welches die Anwesenheit Gottes symbolisiert. Im Kampf wurde es allerdings ausgelöscht und es war nur mehr Öl für einen Tag vorrätig, üblicherweise dauerte die Ölbeschaffung jedoch acht Tage lang. Doch wie durch ein Wunder hielt das Öl genau so lange. Daher ist der Festtag vielen auch unter dem Namen Lichterfest bekannt.


Photo: Toa Heftiba

“Chanukka ist kein ‘eingestaubter, nerviger’ Feiertag, wie andere streng-religiöse Feste. Es ist ein lockerer und freudiger Feiertag, an dem auch kein Arbeitsverbot herrscht”, meint Marie-Pauline Wiebe, Mitarbeiterin am Institut für Judaistik (Universität Wien). Alle freuen sich über Chanukka und zelebrieren das Fest auf ähnliche Weise, gleich ob orthodoxe oder nicht-orthodoxe Juden, gleich welche jüdische Glaubensströmung. Bei biblischen Feiertagen, also jene Erzählungen, die es in den biblischen Kanon geschafft haben, sei das nicht so locker, da gebe es viel mehr Regeln und eine strengere Beachtung dieser. Dennoch steht Chanukka ganz zentral für die religiöse Freiheit der Juden und für die Weihung des Tempels nach der Befreiung durch die Makkabäer, das Wort ‘Chanukka’ wird auch mit “sich widmen” übersetzt. “Ein jüdischer Spruch, der für fast alle Feiertage gilt, fasst gut zusammen worum es bei Chanukkah eigentlich geht: Sie haben versucht uns umzubringen, sie haben es nicht geschafft, lasst uns essen”, erklärt Wiebe.


Photo: Elisheva

Traditionen und Bräuche


Apropos Essen: dieses spielt bei jüdischen Feiertagen immer eine wichtige Rolle. An Chanukka sind das in Fett gebackene Speisen wie Sufganiyah (Krapfen) mit verschiedenen Füllungen und Latkes (Kartoffelpuffer). Wiebe erklärt: “Das kommt von der Geschichte, weil das Öl acht Tage lang gehalten hat. An Chanukka versucht man sich mit so viel fettigem Zeug vollzustopfen, wie möglich.” Laut Wiebe haben die Juden für Chanukka auch die Donuts erfunden.


Chanukka ist vor allem auch eines: ein Fest für Kinder. “Für die ist es total aufregend und spannend jeden Abend eine neue Kerze anzuzünden. Es gibt auch Spiele, die nur an Chanukka gespielt werden”, sagt Wiebe. Dazu zählt auch der Dreidel, ein Holzkreisel mit vier Seiten, mit dem die Kinder um Süßigkeiten pokern. Auf jeder der vier Oberflächen ist ein hebräischer Buchstabe gemalt und steht für den Satz: “Ein großes Wunder geschah dort”. Das geht ebenfalls zurück auf die Besetzung durch die Seleukiden, als den Juden das Studieren und Lehren der Torah verboten war. Die Kinder religiöser Familien wurden dennoch unterrichtet und immer wenn sie von den seleukidischen Truppen kontrolliert wurden, gaben sie vor mit dem Dreidel zu spielen.


Photo: Josh Appel

Sahar A. Cohen (24) ist ursprünglich aus Israel, lebt aber aktuell in Wien. Mit seiner Familie in Israel feiert er Chanukka normalerweise besonders am ersten Tag, welcher der wichtigste ist: “Die ganze Familie kommt zusammen, um die erste Kerze anzuzünden. Dazu wird gebetet und gesungen und danach essen wir gemeinsam Donuts”. Die Kinder bekommen im Anschluss von den Erwachsenen das sogenannte “Chanukka-Geld”, ihr Geschenk für das Anzünden der Kerzen. Darauf habe er in diesem Jahr verzichten müssen, erzählt Cohen mit einem Schmunzeln. Hier in Wien ohne seine Familie geht das Zelebrieren von Chanukka allerdings oft im Alltag unter. “Ich versuche schon, alleine die Kerzen anzuzünden und dazu ein Gebet zu sprechen oder das gemeinsam mit Freunden zu machen, aber es ist nicht so ein wichtiger Feiertag wie andere und manchmal vergesse ich es dann.”


Photo: Blake Campbell

Wo kann man in Wien Chanukka feiern?


Für alle, die zuhause keine Familie haben und das jüdische Lichterfest in Gemeinschaft feiern möchten, gibt es in Wien mehrere Adressen. Die liberale Gemeinde Or Chadasch hatte bereits am ersten Abend des Festes eine Party und am Samstag, 28. Dezember gab es vormittags einen Gottesdienst anlässlich des Chanukka-Schabbat

Or Chadasch I Programm online


Auch das Jüdische Museum in der Dorotheergasse veranstaltete ein abendliches Kerzenanzünden am 25./26./27./29. Dezember

Jüdisches Museum Wien I Chanukka-Programm online


Für junge Menschen und Studierende ist auch die Facebook-Seite der JÖH (Jüdische Hochschüler*innenschaft) immer einen Klick wert, in diesem Jahr hat sie einen “Pre-Chanukkah-Rave” organisiert.


Die wohl größte Feier wird von der IKG (Israelitischen Kultusgemeinde) am Stephansplatz organisiert. Am Samstagabend, dem 28. Dezember wurde die zentrale Chanukkia gezündet und es gab neben Krapfen und Punsch sogar eine große Lotterie und DJ-Sound.


In diesem Sinne: Chag Chanukka Sameach!


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