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Bodypositivity vs. Bodyneutrality

Soziale Medien und Körperbild

Sofia Nappo

#FEATURE #GESUNDHEIT


Dass soziale Medien das Körperbild vieler Konsumenten/innen verändern, ist heutzutage wohl kaum mehr zu leugnen. Doch wie genau wirken sich Instagram, Facebook und Co. auf unsere Körperwahrnehmung aus? Soziale Medien können heutzutage vieles beeinflussen - auch unser Körperbild. Welche Auswirkungen hat diese Dauerkonfrontation mit Bildern anderer User/innen für die Wahrnehmung unseres eigenen Körpers? Und wie können wir dieses Körperbild mitgestalten?


Das Körperbild und Schönheitsideale wandeln sich mit der Zeit. Der Körper ist schon immer eine Ausdrucksmöglichkeit gewesen - sei es, um die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu verdeutlichen, einen Status zu signalisieren oder Ideale widerzuspiegeln. Doch soziale Medien verstärken heutzutage diese Botschaft. Durch die Bereitstellung von Plattformen, über die konstant Körperbilder verbreitet werden, steht der Körper vermehrt im Fokus der vielen Nutzer/innen sozialer Medien.

Photo: Houcine Ncib

Der Vergleich


Die Nutzer/innen vergleichen sich bewusst oder unbewusst mit den geposteten Bildern. Auch wenn klar ist, dass viele dieser Bilder gestellt und teilweise nachträglich bearbeitet wurden, schmälert dies nicht deren Einfluss. Soziale Medien können so gewisse Körpernormen herstellen, an denen sich die User/innen schließlich messen.


Die Schäden


Besonders schädlich sind dabei Vergleiche mit ungesunden Körperbildern, wie etwa dem extremen Schlankheitswahn der mittlerweile gesperrten „Pro-Ana“ (Pro Anorexia) Gruppen oder einem übertriebenen Fitnesswahn, wo selbsternannte Experten/innen vermeintliche Ernährungs- und Trainingstipps vermitteln.


Die Unerreichbarkeit dieser Ideale ist infolge oft auch Quelle für psychischen Stress. Eine Studie der Royal Society for Public Health sieht besonders in der Gruppe der 14 bis 24-Jährigen einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von sozialen Medien und der Erhöhung des Risikos für Angststörungen und Depressionen.


#bodypositivity

Photo: Yura Fresh

Dennoch ist auch auf Instagram der Trend hin zu „authentischeren“ Selbstbildern spürbar. Vielmehr als perfekte Bilder, werden Zeichen von Diversität und Selbstliebe gekürt. So stellen einige Verfechter/innen der Bewegung Bilder online, die sie in vermeintlich unvorteilhaften Posen zeigen oder auf denen angebliche Makel wie Cellulite sichtbar sind.


Diese Bewegung der bodypositivity soll dazu beitragen, dass die Menschen sich in ihrem eigenen Körper wohlfühlen und sich selbst und andere so akzeptieren, wie sie sind. Dadurch soll auch das Selbstwertgefühl gestärkt werden. Jedoch kritisiert die Bewegung nicht die Auffassung per se, wonach Schönheit einen Grund zum Glücklichsein darstellt.


Müssen wir uns schön finden?


Anuschka Rees beschäftigt sich mit ebendieser Frage. In ihrem Buch „Beyond Beautiful“ spricht sie sich dagegen aus, das Aussehen zum zentralen Faktor für das eigene Wohlbefinden zu erklären. So würden Psychologen/innen nicht versuchen, ihre Patienten/innen von ihrer Schönheit zu überzeugen, sondern sie eher dazu ermutigen, ihr Selbstwertgefühl nicht auf ihr Äußeres zu beziehen. Als „bodyneutrality“ wird also die von Rees befürwortete Bewegung bezeichnet, die über die bloße Akzeptanz des eigenen Körpers hinaus geht. Dieser zufolge solle man sich grundsätzlich nicht über Äußerlichkeiten definieren.


Egal, ob wir uns selbst schön finden oder uns nicht über unser Äußeres definieren wollen – wichtig ist es, das wir uns mit der eigenen Entscheidung wohlfühlen und versuchen, uns nicht allzu sehr von außen beeinflussen zu lassen. Soziale Medien können hierbei auch ein Ausdruck der eigenen Entscheidungsfreiheit sein und somit dazu animieren, einen eigenen Weg zu gehen.

Links


Royal Society of Public Health I RSPH-Studie im PDF I Social media and young people's mental health and wellbeing

Medical News Today I New evidence that social media increases loneliness

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