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BBanga Projekt

Ein Korrektiv zum "White Saviorism"

Von Leon Protz


Uganda. In den Medien meist als Heimat von Zerrüttung, politischen Unruhen und Unterdrückung dargestellt. Ein dazu konträres Bild zeichnen die Sssese Islands im Viktoriasee, die mit wunderschönen Sandstränden und idyllischen Landschaften beeindrucken. Auf genau diese Region konzentriert sich das BBanga Projekt, welches in vielerlei Hinsicht einen anderen Lösungsansatz als viele andere NGOs verfolgt. Obmann Hassan Hayatbakhsh bat seine Hilfe zur Beantwortung einiger Fragen an, welche dabei halfen, ein Portrait von der hier geleisteten Entwicklungszusammenarbeit zu zeichnen. Das Konzept karitativer Arbeit ist oft negativ konnotiert durch die Idee von reichen Menschen, die zur Beruhigung ihres eigenen Gewissens einmalige Spenden tätigen und dann so schnell, wie sie auch gekommen sind, wieder verschwinden. Vom altruistischen Gedanken des Helfens hat das wenig.


Eine Frage der Positionierung


Herr Hayatbakhsh sieht in seiner Arbeit und der seiner Kollegen einen anderen Gedanken und erläutert dabei, wie die Norm von Charity-Work zur eigenen Umsetzung differiert: „In Uganda sind Menschen immer wieder überrascht, dass ich eine NGO leite. Auf die Frage wieso das so sei, höre ich oft ein „You‘re not white“, „You‘re not old“ oder „You‘re not rich“. Ich denke, dass wir auf den ugandischen Ssese Islands im Viktoriasee die Assoziation von Entwicklungszusammenarbeit mit „White Saviorism“ durchbrechen und durch Unterstützung auf Augenhöhe beweisen konnten, dass es sich hier tatsächlich um mittelfristige Zusammenarbeit handelt und nicht um kurzfristiges einseitiges Beschenken und Abhauen.“



Foto: milanaminiphotography

Adaption als Grundzutat


Das Grundproblem der dortigen Bevölkerung liegt größtenteils in der Abhängigkeit zur Fischerei. Dieser Umstand ist auch zum Namenspaten des Projektes geworden. „BBanga“ sind die Felsen im Viktoriasee, auf denen die Kinder stehen, um zu fischen. Seit Jahrhunderten ist dies die lebenserhaltende Grundlage und wird zunehmend durch die Folgen der Globalisierung bedroht. Zentralisierung der Fischerei und strengere Regulierungen, die zu finanziellen Lasten seitens der FischerInnen führen, spielen dabei eine große Rolle. Um diesen Entwicklungen entgegenwirken zu können, ist eine grundsätzliche Schulausbildung ein elementarer Bestandteil der zu leistenden Entwicklungszusammenarbeit. Armut entstehe laut Hayatbakhsh nicht ausschließlich aus Fehlen von Einnahmen, sondern auch vor allem durch Defizite in den Wissensbereichen der Familienplanung, Gesundheit etc.



Die „Kapazitätsentwicklung im individuellen Bereich“ steht daher im Vordergrund.

Als eine der größten Hürden für dieses Vorhaben gilt die dezentrale Aufteilung der Bevölkerung auf 84 Inseln. Schüler müssen oft kilometerlange Wege auf sich nehmen, um in die Schule zu kommen. Teilweise sind diese Routen bei gewissen Witterungsumständen gar nicht, oder nur mit sehr hohem Risiko zu bewältigen. Der Wille der Kinder sich Wissen aneignen zu wollen und die Inkaufnahme dieser stundenlangen Märsche, fasziniert Hayatbakhsh trotz langjähriger Arbeit immer wieder. Aufgrund dieser Problematik hat sich auch das nun größte Projekt der NGO, die Errichtung eines Internates für Schüler von Inseln ohne Schule, etabliert.



Foto: milanaminiphotography

Eine Vielfalt an Perspektiven


Diese lösungsorientierte Arbeitsweise zeichnet das „BBanga-Projekt“ aus und lässt sich mit der inneren Organisation der NGO erklären. Rund 30 Freiwillige unterstützen neben Job und Studium auf freiwilliger Basis das Projekt und gründen zur Durchsetzung von Ideen und potentiellen Hilfestellungen kleine Projektgruppen, in denen die weitere Vorgehensweise zur Umsetzung besprochen wird. Größeren und in der Durchführung komplexeren Projekten widmet sich Hayatbakhsh persönlich. Durch die Vielfalt der Bildungshintergründe des Teams unterstützt ein jeder den anderen im eigenen Wissensbereich.


Ein Produkt dieses Ideenreichtums ist die mobile Bibliothek, welche nun schon einen Umfang von 2000 Büchern hat. Von europäischen bis amerikanischen hin zu afrikanischen Büchern ist eine Vielzahl an wichtiger Literatur vertreten. Diese Bücher werden von einer dort stationierten Mitarbeiterin in die Schule gebracht. Am Ende des Tages wird die Lektüre wieder eingesammelt, um am nächsten Tag einer anderen Schule zur Verfügung zu stehen.



Foto: milanaminiphotography

Qualität statt Quantität

Diese Art von Pragmatik soll der jüngeren Generation beigebracht werden. Es handle sich dabei um mehr als nur Schulunterricht und definiert gleichzeitig das Ziel des Projektes. „Ziel ist es, sich als Hilfsorganisation, welche von ausländischen Mitteln abhängt, zum richtigen Zeitpunkt zurückzuziehen. Dafür zum setzen wir auf Qualität statt Quantität in der Zusammenarbeit mit unseren Kindern. Wir sind eng mit ihnen, versuchen starke Vorbilder zu sein und ihnen mehr als „nur“ Schulbildung zu vermitteln. Die erste Generation begleiten wir mittlerweile seit über fünf Jahren und die Gespräche und der Gedankenaustausch werden immer interessanter und wichtiger. Unsere Kinder sollen unsere Aufgaben übernehmen. Was wir von Europa aus schaffen, werden sie innerhalb Ugandas bewältigen können. Das erhoffte Ergebnis ist, dass genau diese Kinder von heute den Kindern von morgen helfen.“


Hilfe zur Selbsthilfe also. Ein Konzept, welches hier intelligent und sachbezogen Anwendung findet und ein Beweis dafür ist, dass junge ambitionierte Menschen, die einen Unterschied machen wollen, zusammen Großes erreichen können.


Links

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