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Alternative Behandlungsmethoden

Komplementär, Alternativ oder Alte Schule?

Patricia Kornfeld

#FEATURE #GESUNDHEIT


Bauchschmerzen? Nimm Paracetamol! Kopfweh? Ibuprofen lässt die Schmerzen verschwinden. Antibiotika machen bakteriellen Infektionen schnell den Gar aus. Acetylsalicylsäure lindert Gelenksschmerzen. Und sollten Verdauungsbeschwerden den Tag trüben, kann Natriumpicosulfat Abhilfe schaffen. Die Schulmedizin ist ein wahrer Allrounder. Egal, ob kleine Wehwehchen oder größere Beschwerden - es gibt fast nichts, wofür sie kein Mittel parat hat. Dass Regelschmerzen drei Tage lang bewegungsunfähig machen oder eine Grippe ewig ans Bett fesselt, war gestern. Heute reichen oftmals ein bis zwei Tabletten und weiter geht’s.

Photo: Priscilla du Preez

Bewährte Behandlungsmethoden und hohe Erfolgsraten belegen den Erfolg der konventionellen Medizin. Doch steht sie bereits lange Zeit in der Kritik. Sie bekämpfe lediglich die Symptome von Krankheiten, nicht jedoch deren Ursachen. Dieser Meinung ist auch Dr. med. Günther Loewit, Autor von „Wie viel Medizin überlebt der Mensch." In seinem Buch kritisiert er die moderne Medizin. Sie sei die Ursache für Krankheiten, die früher nicht existierten und aus einer medikamentösen Überbehandlung resultieren würden. Zudem empfindet er die zunehmende „Verwissenschaftlichung“ des modernen Medizinwesens als Kritikpunkt, wie er in einem Gespräch mit der „Presse“ bekannt gibt: „Alles, was nicht in mathematischen Zahlen und Formeln fassbar ist, wird abgelehnt“. Darüber hinaus ist sich Loewit sicher, dass die Medizin nur begleiten kann, „heilen muss der Körper sich selbst.“ Seiner Meinung nach würden die Selbstheilungskräfte Erkrankter unterschätzt.


Miteinander im Gleichgewicht


Photo: Alan Caishan

Dabei gibt es schon lange Alternativen und Ergänzungen zu konventionellen Behandlungsmethoden. Die Alternativ- und Komplementärmedizin hält einige Mittel und Methoden bereit - perfekt für all jene, die im Kampf gegen Schnupfen, Magenprobleme und Konsorten nicht mehr länger zur Chemiekeule greifen möchten. Im Gegensatz zur Schulmedizin basieren komplementäre und alternative Behandlungsmethoden nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Gesundheit ist dann gegeben, wenn die Systeme Körper, Geist und Seele miteinander im Gleichgewicht stehen. Krankheitsursachen werden nicht als isolierte Komponenten betrachtet, die nur medikamentös oder operativ behandelbar sind. Im Vordergrund steht der ganzheitliche Ansatz. Ziel ist es, die Selbst- und Abwehrkräfte des Patienten/der Patientin zu reaktivieren und das gestörte Gleichgewicht wieder in die Waage zu bringen.


Zur Komplementärmedizin werden demnach all jene Behandlungsmethoden gezählt, die sich die Entstehung von Krankheiten anders herleiten als die Schulmedizin. Alternative Behandlungsmethoden sind meist ganzheitliche und integrative Verfahren, wie z.B. die Naturheilkunde oder die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Die Naturheilkunde nutzt, wie der Name bereits vermuten lässt, Ingredienzien, die in der Natur zu finden sind. Somit macht sich die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) die Kraft verschiedener Heilpflanzen zu Nutze. Weiterer Bestandteil der Naturheilkunde ist z.B. die Diätetik. Hierunter werden alle ernährungstherapeutischen Maßnahmen zusammengefasst, die krankheitsvorbeugend oder -behandelnd wirken sollen. Vor allem steht die korrekte Ernährungsweise bei verschiedenen Krankheiten oder Lebensumständen im Vordergrund, wie z.B. bei Diabetes mellitus oder während der Schwangerschaft. Es wird beispielsweise zwischen Vollkost, Aufbaukost, vegetarischer Kost, Roh- oder Trennkost unterschieden.


Wissen vom Leben

Photo: Content Pixie

Dass die richtige Ernährung für die Gesundheit eine große Rolle spielt, dessen ist sich auch Ayurveda bewusst. Die indische Heilmethode geht davon aus, dass viele Krankheiten durch negative Ernährungsgewohnheiten entstehen und es somit keine Substanz geben könne, die nicht in irgendeiner Form als Heilmittel dienen kann. Ajurveda bedeutet in Sanskrit (der ältesten Sprachform Indiens) „Wissen vom Leben.“ Als ganzheitliche Methode versucht sie, inneres und äußeres Gleichgewicht zu erzeugen und Körper, Seele, Geist und Umwelt in Balance zu bringen. Die drei Doshas (d.h. Regelkräfte) Vata, Pitta und Kapha stellen dabei wesentliche Prinzipien dar, welche alle physiologischen Prozesse im menschlichen Körper steuern und die geistigen und körperlichen Veranlagungen des Menschen, wie die Konstitution, das Temperament, Vorlieben, Abneigungen oder Bedürfnisse in der Ernährung, beschreiben. Je nach Dosha-Typ werden spezielle Behandlungsmethoden oder Ernährungsweisen ausgewählt, um die Gesundheit zu unterstützen.


Die TCM sieht Krankheiten als Kombination objektiver Befunde und subjektiver Empfindungen. Laut Univ.-Prof. Dr. Zuzhi Niu eigne sie sich vor allem zur Linderung funktioneller Störungen, bei komplexen und chronischen Krankheiten und bei der Behandlung von Tumoren: „(…) Sie versucht, die Krankheit an der Wurzel zu packen und die primären Ursachen der Erkrankung zu behandeln, statt nur symptomfokussiert Beschwerden zu lindern.“ Zudem könne sie auch präventiv eingesetzt werden: „Sie stärkt den Körperzustand, das Immunsystem und beugt dadurch Krankheiten vor. Akupunktur und Kräuter stärken das Immunsystem, verbessern den körperlichen Allgemeinzustand und das Wohlbefinden.“


Gegensätze in Balance


Photo: Bekir Donmez

Unter anderem stützt sich die TCM auf die Lehre des Yin-Yang. Diese wurde ursprünglich dafür genutzt, den kontinuierlichen Prozess natürlicher Veränderung zu beschreiben, z.B. den zyklischen Wechsel von Tag zu Nacht. Die Lehre besagt, dass alle Dinge zwei gegensätzliche Seiten haben, die miteinander im Wechsel stehen und einander ergänzen. Yin verkörpert dabei etwa das Weibliche, die Nacht, die Kälte oder den Mond. Yang steht hingegen für das Männliche, den Tag, die Wärme oder die Sonne. Das eine kann ohne das jeweils andere nicht existieren. Gesund ist der Mensch demnach, wenn sich die polaren Gegensätze Yin und Yang in einem dynamischen Gleichgewicht befinden.


Mit Hilfe der Fünf Elemente, bzw. der Funktionskreise, können mögliche Krankheitsursachen gefunden werden. Jedes der fünf Elemente Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde wird mit verschiedenen Eigenschaften in Verbindung gebracht, wie z.B. mit Jahreszeiten, Emotionen oder Organen. Je nach vorhandenen Symptomen kann festgestellt werden, welcher Funktionskreis gestört bzw. welches Element betroffen ist. Oftmals wird versucht, die Selbstheilungskräfte des Patienten/der Patientin durch Stimulierung der Meridianpunkte zu aktivieren. Dies geschieht meist durch die Akupunktur. Hierbei werden dünne, auch elektrische, Nadeln in Akupunkturpunkte der Haut gestochen, welche auf Meridianen liegen. Laut TCM durchziehen diese den gesamten menschlichen Körper und sind Träger der Lebensenergie. Kommt es zu einer Störung dieser Energie, sind Krankheiten die häufige Folge.


Ähnliches durch Ähnliches heilen


Photo: Matt Briney

Die Homöopathie ist eine der bekanntesten, wenn auch umstrittensten, alternativen Behandlungsmethoden. Nach dem Begründer Dr. Christian Friedrich Samuel Hahnemann können Substanzen, die bei gesunden Menschen gewisse Krankheitssymptome hervorrufen, genau diese Symptome bei erkrankten Personen heilen. Die Homöopathie folgt demnach dem Grundsatz: „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden.“ Hierfür werden die homöopathischen Wirkstoffe sehr stark verdünnt bzw. potenziert - oftmals so stark, dass in der Arznei rechnerisch kein Molekül der Ausgangstinktur mehr nachweisbar ist. Ein Wirkstoff in der Homöopathie ist Belladonna. Dieser entstammt der schwarzen Tollkirsche – tödlich giftig für den Menschen. In der starken Potenzierung jedoch kann er laut Vertretern/Vertreterinnen der Homöopathie bei diversen Entzündungen, Zahnschmerzen oder Fieber helfen.


Oftmals wird die Homöopathie als Humbug deklariert und steht im Verdacht, nicht mehr Wirksamkeit als Placebo-Medikamente zu besitzen. Einer Studie der Bertelsmann Stiftung und Barmer GEK zufolge, in der 7000 Personen befragt wurden, gaben jedoch über 80% an, sich nach einer homöopathischen Behandlung besser gefühlt zu haben. Laut dem Internisten Ulf Riker dürfe die Homöopathie schulmedizinischen Behandlungen aber nicht vorgezogen werden: „In der Notfallversorgung oder Intensivmedizin ist sie sicher fehl am Platz! Einen Knochenbruch kann man nicht mit Globuli richten, da muss schon der Chirurg die Knochen wieder so zusammensetzen, wie sie zusammengehören. (…) Einem Patienten, der Insulin braucht, weil seine Bauchspeicheldrüse keines mehr produziert, hilft die Homöopathie natürlich nicht.“


Alternative und komplementäre Behandlungsmethoden erfreuen sich in der westlichen Welt großer Beliebtheit. Immer öfter kommen sie in Krankenhäusern zum Einsatz oder werden von Krankenkassen erstattet. Immer mehr Ärzte/innen mit Schwerpunkt auf Naturheilkunde oder TCM sprießen aus dem Boden und Wellnessinstitute werben mit Ayurveda-Kuren. Dennoch können sie die Therapiemodelle der Schulmedizin nicht ersetzen und sollten nur als Ergänzung und Begleittherapie in Anspruch genommen werden. Dieser Meinung ist auch der Onkologe Peter Krippl. Komplementärmethoden seien zwar keine Allheilmittel, aber „Patienten, die schwer krank sind, wollen alles versuchen – was verständlich ist. Man sollte als Arzt offen bleiben, informieren, man muss aber nicht allem zustimmen.“

Links


Bertelsmann Online I Gesundheitsmonitor: Patienten fühlen sich durch homöopathische Behandlung gut versorgt

Die Presse I Interview mit Dr. Loewit - Wie viel Medizin überlebt der Mensch?

Ordensklinikum Linz I Der TCM-Pionier

FOCUS Online I „Schulmedizin ist unverzichtbar, aber Homöopathie hilft auch in vielen Fällen"

Kleine Zeitung I Komplementär-Medizin Helfen Mistelzweige, Homöopathie und Co. bei Krebs?

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