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AH statt OM

Warum Meditation uns helfen kann, uns selbst zu helfen

Tanja Bühringer

#FEATURE #SPIRITUALITÄT


Im Schneidersitz am Boden verweilen, während man ständig das Wörtchen „OM“ vor sich hinmurmelt und in einem Zustand der vollkommenen geistigen Abwesenheit schließlich tiefste Glücksgefühle empfindet – so das klischeehafte Bild der Meditation. Doch was steckt wirklich dahinter?


„Wunderheilungen, Meditieren und Psychologie – das ist doch alles derselbe Humbug!“ – mit solchen Aussagen bin ich als Psychologiestudentin häufig konfrontiert. Doch was hat es mit Lehren und Formen, die sich mit dem eigenen Erleben und Verhalten beschäftigen wirklich auf sich?


Photo: Keegan Houser

Zu sich selbst finden


Der Begriff „Meditation“ kommt vom Lateinischen (meditatio) und bedeutet so viel wie überlegen, nachdenken. Besonders im religiösen und spirituellen Bereich nimmt das Meditieren einen wesentlichen Platz ein – so auch im Buddhismus, Hinduismus oder Jainismus. Dabei steht eine tiefere Verbindung zum eigenen Glauben und somit auch zu Gott meist im Fokus. Menschen meditieren aber auch vollkommen unabhängig von ihrer Religion, dafür mit dem Ziel mehr zu sich selbst zu finden.


Die unterschiedlichen Varianten reichen dabei von Sitz-, Geh oder Stehmeditation und arbeiten mit unterschiedlichsten Einflüssen. Vor allem dem Stress, der durch die Hektik in unserer globalisierten Welt vorherrscht, soll mit unterschiedlichen Atem-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsübungen entgegengewirkt werden. Auch auf Facebook, Instagram und Co. wird das Meditieren mittlerweile gerne gepostet und Bilder mit unterschiedlichsten Meditationsübungen erweisen sich als ein beliebter Beitrag.


Photo: Afonso Coutinho

Um 7 Uhr morgens zur Meditation


Was steckt nun wirklich hinter diesem Hype? Bringt er nur Likes in den sozialen Medien oder gelingt es uns dadurch wirklich mehr zu sich selbst zu finden? Dieser Frage wollte ich nachgehen und habe mich kurzerhand dazu entschlossen, das Meditieren im Rahmen eines Kurses selbst auszuprobieren. Das heißt in meinem Fall konkret: eineinhalb Stunden Zen Meditation.


Vorweg: Meine Motivation um 7:00 Uhr in der Früh meditieren zu gehen, hielt sich anfangs in Grenzen. Da man am Morgen jedoch am besten zu sich selbst finden kann, nahm ich diese Hürde auf mich. Beim Kurs angekommen, erklärte man mir die besondere Bedeutung der Zen Meditation. Beim Zen handelt es sich um eine Strömung des Mahayana-Buddhismus. Die davon abgeleitete Form der Meditation verfolgt vor allem das Ziel den Geist in Ruhe zu versetzen und die Sorgen der Meditierenden zu lindern.


Photo: Chelsea Shapouri

In der Gegenwart angekommen


Zunächst war ich skeptisch. Wir begannen mit einer Gehmeditation, im Rahmen derer sich die Teilnehmer in einem Kreis mit langsamen Schritten im Kreis bewegten. Die einzige Aufgabe dabei war die uns fesselnden Gedanken loszulassen, um so einen völlig feien Kopf zu bekommen und sich dabei auf die Atmung zu konzentrieren. Leichter gesagt als getan: Anstatt mich völlig der momentanen Situation hinzugeben, kreisten meine Gedanken um meine ToDo-Liste, die am Küchentisch lag und noch erledigt werden musste (so in etwa: „Das muss ich noch erledigen und das darf ich nicht vergessen…“). Immer wieder musste ich mich darauf konzentrieren, meine Gedanken loszulassen und mich nicht von ihnen beirren zu lassen.


Im Anschluss folgte eine längere Sequenz der Sitzmeditation. Wir setzten uns auf den Boden, nahmen eine gemütliche aber doch aufrechte Haltung ein und schauten auf die vor uns liegende Wand: keine geschlossenen Augen, keine bestimmten Handbewegungen und kein „OM“. Dafür aber eine halbe Stunde, die nur mir und meinen Gedanken gehörte. Als ich so dasaß, überlegte ich, wann ich zuletzt so mit mir selbst beschäftigt gewesen war: keine anderen Personen, keine zu erledigenden Aufgaben und keine Ablenkungen. Je länger ich gegen die Wand schaute, umso besser gelang es mir, abzuschalten und mich von vergangen Momenten, über die ich gegrübelt hatte, und zukünftigen Situationen, über die ich mir Sorgen machte, wegzugehen. Ich war in der Gegenwart angekommen. Die halbe Stunde ging dabei so schnell vorüber, dass ich ganz überrascht war, als man mich mit einem Glockenschlag wieder in die Gegenwart zurückholte.


Photo: Kevin Bluer

Eine besondere Erfahrung


Zwar ist es mir nicht voll und ganz gelungen abzuschalten oder meine Gedanken loszulassen, doch tat es mir gut, eineinhalb Stunden nur für mich zu haben. Im Alltag nehmen wir uns meist nicht die Zeit, uns so ausführlich mit uns selbst zu beschäftigen. Meditieren mag dennoch nicht etwas für jeden sein - vielen gibt es schlichtweg nichts und manche belastetet es sogar mehr, als es ihnen hilft.


Als Psychologiestudentin weiß ich, dass zu viel Beschäftigung mit dem eigenen Selbst beziehungsweise zu viel Aufmerksamkeit auf die eigenen Sorgen und Probleme bei Menschen in problematischen Situationen auch negative Folgen mit sich ziehen kann. in diesen Fällen kann das Kreisen um die eigenen schlechten Gedanken durch die Meditation verstärkt werden.


Grundsätzlich, spricht jedoch so einiges dafür, dem Meditieren zumindest eine Chance zu geben. Für mich persönlich erwies es sich als eine besondere Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich kann mir nun besser vorstellen, wie es Menschen als Unterstützung dienen kann, sich von Sorgen und Ängsten zu befreien und sich somit selbst zu helfen.


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