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Addicted to YOU

Kann man nach Liebe süchtig sein?

Sandra Krajco-Riemer

#FEATURE #SUCHT #LOVE

Liebe ist das schönste Gefühl auf der Welt. Doch die Schmetterlinge im Bauch können abhängig machen. Aber die amerikanische Beziehungsexpertin Margaret Paul gibt Entwarnung: Man kann Beziehungssucht therapieren. Mit Selbstfindung.


Photo: Dimitar Belchev

Die Liebe wird als stärkste Zuneigung und Wertschätzung bezeichnet, als ein starkes Gefühl und eine tiefe Verbundenheit zu einem anderen Lebewesen. Es gibt sie in den verschiedensten Formen: die Liebe zu seinen Eltern, seinen Kindern, seinem Partner. Jede Form fühlt sich anders an, ist einzigartig und voller Kraft. Die Liebe ist allgegenwärtig und ist allem, was uns umgibt, wiederzufinden. Es liegt an uns, sie wahrzunehmen und weiterzugeben. Dafür benötigen wir jedoch auch eine gesunde Selbstliebe, die keineswegs mit Narzissmus oder Egoismus verwechselt werden darf.


Wir können andere nur lieben, wenn wir uns auch selbst lieben und eine Beziehung nicht vollständig auf dem Verständnis beruht, dass man sich ausschließlich auf den Partner konzentrieren und sich um ihn kümmern müsse. Das bedeutet auch, dass wir gerne mal alleine sind, alleine Spaziergänge machen, Zeit mit uns selbst verbringen. Dazu haben wir seit dem Ausbruch des Coronavirus und der daraus folgenden Ausgangsbeschränkungen auch genügend Gelegenheit. Viele Beziehungen werden jetzt auf eine harte Probe gestellt. Diese ständige Nähe und der Zusammenhalt beweist letztendlich, ob die Liebe stark genug ist.

Doch hat die Liebe auch eine dunkle Seite? Kann sie abhängig machen?


Photo: Leonardo Sanches

Die Antwort ist ja, die Liebe kann abhängig machen. Die Wissenschaft belegt das. Zumindest in der ersten Zeit des Kennenlernens, des Verliebtseins. Jeder kennt diesen wunderbaren Zustand, den Wunsch, seinen Partner ständig um sich zu haben. Es ist ein Rausch, Euphorie, Verlangen. Eine Trennung der Liebenden ist undenkbar, es scheint als würden wir die Kontrolle verlieren. In diesem Zustand sind Regionen im Gehirn betroffen, die auch bei einem Drogensüchtigen verstärkt aktiv sind. Es geht dabei um das Belohnungssytem des Hirns. Die vermehrte Aktivität konnte mit dem Verfahren einer Kernspintomographie (Anm.: MRT, technisches Verfahren zur Darstellung von Strukturen und Funktionen der Gewebe und Organe) nachgewiesen werden.


Das scheint nachvollziehbar - denn schließlich kennt jeder und jede diese erste Phase des Kennenlernens und Zusammenseins. Was aber passiert, wenn der Zustand des Verliebtseins vorbei ist und die berauschenden Endorphine schwinden? Hier wird sehr rasch klar, ob es wahre Liebe ist oder die Sucht nach Beziehung und menschlicher Nähe. Bei dieser Sucht spricht man von Beziehungssucht, die ein weit verbreitetes Phänomen ist.

Wie erkennt man Beziehungssucht?

Photo: Julian Myles

Menschen, die süchtig nach Liebe und Beziehungen sind, stürzen sich von einer Partnerschaft in die nächste, um nicht alleine zu sein. Sie haben das Gefühl, alleine nichts wert zu sein und fürchten sich vor dem Single-Dasein. Sie brauchen die Liebe im Leben wie die Luft zum Atmen. Dafür nehmen sie sogar unglückliche Partnerschaften mit Vergebenen, Beziehungsunfähigen und Alkoholabhängigen in Kauf. Geliebte von Verheirateten lassen sich mit wenigen zärtlichen Stunden abspeisen und begeben sich in emotionale Abhängigkeit.

Die Trennungslinie zwischen wahrer Liebe und der Sucht nach Nähe ist oft nicht deutlich erkennbar, da es sich für Betroffene wie echte Liebe anfühlt und sie nicht erkennen, dass mit ihren Verhaltensmustern etwas nicht stimmt.


Sie würden alles für ihren Partner tun, fühlen sich unvollständig und lebensunfähig ohne Beziehung. Diese Menschen brauchen ständig Bestätigung, Aufmerksamkeit und Zuneigung von ihrem Partner. Sie klammern, stellen ihre Bedürfnisse hinter die ihres Partners, ja sogar Freunde und Interessen werden vernachlässigt. Das kann bis hin zur Selbstaufgabe führen, die dann die Gefahr birgt, Demütigungen und körperliche Gewalt des Partners zu dulden. Typische Symptome sind unter anderem Besessenheit, Abhängigkeit und übertriebene Eifersucht. Der Liebesfaktor ist dabei hoch, noch höher aber der Leidensfaktor.

Liebe dich selbst, dann kannst du auch andere lieben!


Photo: Phuoc Le

Die amerikanische Psychologin und Beziehungsexpertin Margaret Paul arbeitet seit vielen Jahren mit Paaren. Sie gilt als Expertin auf ihrem Gebiet und war in der Vergangenheit immer wieder zu Radio- und TV Shows eingeladen. Paul ist überzeugt, dass es einen Weg aus der Obsession nach Liebe und Beziehung gibt. Ihr Stichwort ist die Selbstfindung. Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass ihre besten Gefühle daraus gespeist würden, dass sie etwas von einem anderen bekommen - Kontakt, Aufmerksamkeit, Sex, Bestätigung, Verständnis, Akzeptanz, Liebe. Sie erkennen nicht, dass ihre schönsten Gefühle daraus resultieren, dass sie Liebe geben und sich selbst und andere verstehen“, erklärt Paul.


Bewusstsein über die eigene Liebe als Therapie gegen die Sucht? Was sich erst mal paradox anhört, begründet die Psychologin damit, dass viele Menschen denken, ihre besten Gefühle kämen von außen anstatt von innen. Genau das sei das Fundament der Sucht. „Die Meinung, dass die guten Gefühle von außen erzeugt würden, ist die Kernüberzeugung der Sucht und der Abhängigkeit“, sagt Paul.


Margret Paul ist davon überzeugt, dass wir alle Kontakt zu unserem inneren Kind aufnehmen sollten, um die wirklich wunderbaren Gefühle erleben zu können. Erst dann ist es uns möglich, die Liebe mit einem anderen Menschen zu teilen, anstatt nur Liebe von einem anderen Menschen zu bekommen.

Links


Webseite und Blog von Psychologin Margaret Paul I online

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